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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

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 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 20 Frühjahr 2007

Reise in das vergessene Land

Ein Reiseführer zu Bosnien und Herzegowina


Allein die etwas leidvolle Entstehungsgeschichte des Reiseführers zu Bosnien und Herzegowina von Elisabeth Gschaider ist bemerkens- und berichtenswert. Obwohl von seiner Qualität her einwandfrei, erwies es sich als unmöglich den Reiseführer in einem kommerziellen Verlag zu publizieren, auch nicht in den so genannten alternativen. Hervorstechendster Grund – das Interesse an Bosnien und Herzegowina als Reiseland reichte nicht ausum den kommerziellen Erfolg zu garantieren. Nur wenige Jahre nach dem Zerfall Jugoslawiens und nach dem Ende der gewaltsamen Auseinandersetzungen ist das politische Interesse an den vom Krieg zerrüttenden Ländern bereits wieder verstummt. Eine Bestätigung mehr für die konsumistische Medienkultur des kurzfristig hochgepushten Interesses, das nach Auslaufen der sensationsfähigen Ereignisse sofort wieder abflaut.

Ein Grund mehr für die Bruchlinien, diesem Reiseführer – der ja gerade viel mehr sein will als nur eine zweckmäßige Hilfe für Touristen – Raum zu geben. Zunächst sei jedoch betont, dass das Buch diesem unmittelbaren Anspruch mehr als gerecht wird. Ein ausführerlicher Reiseteil liefert alle notwendigen praktischen Informationen zu den beschriebenen Orten sowie zu allem, was Touristen vor und während ihres Aufenthaltes beachten müssen. Jeder besprochene Ort wird in seinem historischen Kontext eingeführt, die architektonischen, historischen, städtebaulichen und anderen kulturellen Sehenswürdigkeiten werden knapp, doch ausführlich beschrieben. Der einführende Infoteil enthält Wissenswertes zu Kultur und Politik. Gemeinsam mit den ausführlicheren Kapiteln über Traditionen, Kulinarisches, Architektur und Geschichte hilft er dem/der Leser/in, die wenig Wissen über Bosnien hat, in dessen Welt einzutauchen und macht so richtig Lust aufs Reisen.

Doch, wie gesagt, ist Elisabeth Gschaiders Buch mehr als nur ein Reiseführer. Insbesondere der geschichtliche Teil, aber auch die Beschreibungen wichtiger Städte im Reiseteil sowie etliche Kästen, Zitate und Beiträge anderer AutorInnen machen keinen Bogen um die jüngste Geschichte Bosniens und des Balkans, sondern versuchen im Gegenteil Stellung im Sinne der leidgeprüften Bevölkerung aller Nationalitäten zu beziehen.

Elisabeth Gschaider ist um Ausgewogenheit bemüht und stellt mehrmals die westliche Verantwortung für den Zerfall Jugoslawiens und die folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen fest. Sie betont die vorherrschende verzerrende Mediendarstellung im Westen, die den Serben die alleinige Schuld am Konflikt zuschreibt und unterstreicht, dass gerade in Bosnien die kroatische Seite eine äußerst negative Rolle gespielt hat. Dennoch entgeht dem/der Leser/in, die den Konflikt in den 90er Jahren verfolgt und gegen den imperialistischen Stellvertreter- und Interventionskrieg zunächst Jugoslawien, dann Serbien verteidigt hat, nicht, dass auch Gschaider sich der antiserbischen Stimmungsmache nicht ganz zu entziehen vermag. Einerseits fällt in diesem Zusammenhang die mehrmalige ausführliche Beschreibung persönlicher Schicksale von Bosniern, die Opfer serbischer Verfolgung wurden, auf – ohne dass der anderen Seite entsprechend Raum gegeben wird. Andererseits wird Gschaiders Reiseführer, wie sie selbst einräumt, deutlich weniger ausführlich, wenn es um die Republika Srpska geht. Der/die Leser/in hätte sich angesichts der zum Bereisen und Entdecken Bosniens einladenden Städtebeschreibungen in der bosnischen Föderation einen ähnlichen Enthusiasmus auch für den serbischen Teil gewünscht.

Insgesamt ist jedoch Elisabeth Gschaiders Reiseführer jedem/r ans Herz zu legen, der sich mehr als zehn Jahre nach dem Ende des Bosnienkrieges und nachdem der Balkan und seine Probleme längst nicht mehr die Schlagzeilen für sich beanspruchen, dennoch dafür interessiert, Bosnien von innen zu betrachten. Sowohl Kunst-, Kultur- und Architekturinteressierte werden auf ihre Rechnung kommen, als auch die Spezies der Polittouristen und der zivilgesellschaftlich Engagierten.

Wer den Reiseführer käuflich erwerben will, tut dies am besten direkt bei der Autorin:
e.gschaider@ottensheim.at


Margarethe Berger

Gschaider, Elisabeth: Bosnien und Herzegowina. Geschichte, Kultur, Landschaft und Reiseinfo. Wien (Selbstverlag) ISBN: 978-3-200-00619-5, 236 S., 19,80 Eur[A].