Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
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Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
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Nr. 9 November 2003
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Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
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Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 19 November 2006

Editorial


„Wir haben am Morgen, zu Mittag und am Abend gelogen.“ Ferenc Gyurcsány, ungarischer Ministerpräsident hat das Zeug in der Kategorie „Zitate, die die Welt kennt“ zu Winston Churchill aufzuschließen. Selten hat die politische Klasse Europas eine derartige Offenheit an den Tag gelegt. Selten hat die Oligarchie ein solches Eingeständnis eigener Verkommenheit abgelegt. Politik als Marktplatz der Lügen, wo der größte Aufschneider die Wahl gewinnt.
Gyurcsány hat mit seinen Worten Massendemonstrationen und Unruhen ausgelöst, sein Rückhalt innerhalb der Eliten hat ihn an der Macht gehalten.
Interessant die Reaktion der europäischen Medienöffentlichkeit im Anschluss. Unisono wird den Demonstranten politische Legitimität abgesprochen, Politik habe sich im Parlament abzuspielen. Dort könne man ja einen Misstrauensantrag stellen – und weil die Sozialdemokraten über die Mehrheit der Sitze verfügen, hätte Gyurcsány jedes Recht weiterhin Regierungschef zu sein.
In dieser Deutlichkeit und Geschlossenheit stellt diese Betrachtungsweise der Medienmaschinerie etwas besonderes und Neues dar: Natürlich, zuerst einmal reflektiert die „Medienöffentlichkeit“ die Unterstützung der Eliten für die Politik der ungarischen Sozialisten und deren Programm des Sozialabbaus. Darüber hinaus aber beschränkt diese Argumentation den Raum der Politik systematisch auf das Parlament, die Regierung und die politische Klasse. Diese werde alle vier Jahre per Wahl legitimiert (auch wenn sie zugegebenermaßen den ganzen Tag gelogen hat, um die Wahl sicherzustellen), zwischen den Wahlgängen habe der Stimmbürger sich der Einmischung in die Staatsangelegenheiten zu enthalten. Demonstrationen und direkte Willensäußerungen der Bevölkerung sind damit quasi per se antidemokratisch. In zehn Jahren sind sie möglicherweise schon Terrorismus. Demokrat ist, wer sich an die Spielregeln der Oligarchie hält. „Am Morgen, zu Mittag und am Abend.“
Wir würden gerne mitteilen, dass wir von diesem Demokratieverständnis recht wenig halten. Falls das noch erlaubt ist.