Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 19 November 2006

„Wir brauchen eine weltweite antiimperialistische Bewegung“

Rede von Hugo Chávez auf dem Weltsozialforum in Carácas vom Februar 2006


Hugo Chávez hielt auf dem 6. Weltsozialforum eine Rede, die entscheidende politische Fragestellungen tangierte. Venezuela selbst fungierte bei dieser Veranstaltung als Gastgeber, wobei die Rede des Präsidenten einen imposanten Eindruck hinterließ. Im Poliedro-Stadium vor 15.000 Menschen legte er seine Gedanken zu einer neuen, revolutionären Strategie dar. Seine Kritik an der bestehenden Form des Weltsozialforums sowie seine Idee für den Aufbau einer antiimperialistischen Front sind auch für die linke Debatte in Europa von Interesse. Wir veröffentlichen deshalb kurze Ausschnitte aus seiner Ansprache.

„Wir brauchen eine perfekte Strategie. Wir brauchen all unsere Talente [...], damit wir in diesem 21. Jahrhundert die Kämpfe und Bewegungen der Völker Lateinamerikas und der Karibik, Nordamerikas, Asiens und Afrikas in einem einzigen Kampf vereinen können. Dann werden wir tatsächlich in der Lage sein, die Richtung, welche die Geschichte im 21. Jahrhundert einschlägt, zu verändern.
[...]
Das Imperium, dem wir uns heute gegenüber sehen, ist ein in höchstem Maße perverses, verbrecherisches, völkermörderisches und unmoralisches Imperium, wie es noch nie eines gegeben hat. Denn das römische Imperium verstand sich selbst als Imperium, doch das Imperium von Mister Danger spricht von Demokratie und von Menschenrechten. Das tat weder das römische Imperium noch jenes von Alexander dem Großen. Doch das heutige Imperium spricht davon und unseren jüngsten Informationen zufolge will es nun Venezuela auf die Liste jener Länder, die den Terrorismus unterstützen, setzen.
Mister Danger spricht von Menschenrechten und hält unsere fünf heldenhaften kubanischen Landsmänner in seinem Imperium gefangen. Damit bricht er alle Gesetze und Prinzipien der Menschenrechte. Mister Danger spricht von Menschenrechten und in Guantánamo wird gefoltert und die Menschen verschwinden aus den geheimen Gefängnissen der CIA in Europa und auf der ganzen Welt.
[...]
Es gilt mit ganzer Kraft die Arbeit an einer großen internationalen antiimperialistischen Front aufzunehmen, es gilt den Kampf auf der ganzen Welt aufzunehmen.
Wir müssen alle unser Kämpfe miteinander verbinden, die Vereinigung [ist das Wesentliche], Vereinigung bei allem Respekt für die Diversität, für die Autonomie der Bewegungen. Es geht nicht darum, irgendjemanden zu bevormunden, nur um Koordinierung, Einheit, denn andernfalls werden wir nie siegen, und wenn wir fünfhundert Jahre kämpfen sollten.
[...]
Man sagt, dass es zwei, dass es mehrere ‚Linke’ in Lateinamerika gäbe: die Verrückten sind Fidel, Chávez und jetzt zählt auch noch Evo [Morales, der Präsident Boliviens] dazu. Die anderen, wie Lula, Lagos, Tabaré und Kirchner sind ‚Staatsmänner’. Aber Chávez und Fidel sind verrückt, sie sind die ‚verrückte Linke’.
[...]
Glaubt mir, es ist keine Unterschätzung, wenn ich sage, dass das Imperium nicht unfehlbar ist, auch wenn es große Macht hat. Doch so wie ALCA in Mar del Plata untergegangen ist, so werden wir in diesem Jahrhundert das nordamerikanische Imperium begraben.
Haltet euch vor Augen, dass das Imperium mit all seiner Macht hier mit der Realität in Konflikt gerät, mit einem Volk, mit einer patriotischen Streitkraft. Schon im Irak ist es auf ein patriotisches Volk gestoßen und erleidet gerade eine Niederlage, eine Niederlage, die es eigentlich schon erlitten hat. Denn auch wenn es, wie blind, die Niederlage nicht anerkennen möchte, weiterhin hunderte und tausende junge Nordamerikaner im Irak auf die Schlachtbank führt und dort im Irak tausende unschludige, Kinder, Frauen und Männer tötet, [so ist die Niederlage doch offensichtlich].
Von hier aus, von diesem Antiimperialistischen Forum aus, fordern wir von der Regierung der Vereinigten Staaten, dass sie die Aggression gegen das irakische Volk einstellt. Schluss mit dem Genozid im Irak, US-Truppen raus aus dem Irak!
[...]
Das Weltsozialforum hat große Bedeutung, [...] auf Ebene der sozialen und politischen Bewegungen, der Regierungen, der Parlamente, und daher wäre es schrecklich, denke ich, wenn wir erlauben würden, dass das Weltsozialforum sich in ein folkloristisches Treffen verwandelt, das sich jährlich wiederholt. Ein touristisches und folkloristisches Treffen, das wäre schrecklich, denn das würde bedeuten, dass wir einfach unsere Zeit verschwenden. Aus diesem Grund dränge ich weiterhin die Führer aller hier repräsentierten Bewegungen, damit wir uns auf einen gemeinsamen Arbeits- und Aktionsplan einigen um die Kämpfe in Lateinamerika, in der Karibik, in Asien und Afrika voranzutreiben. Ich glaube, das ist für die ganze Welt von wesentlicher Bedeutung.
[...]
Ich erinnere mich an eine Aussage von Fidel: ,Morgen könnte es zu spät sein’. Aus diesem Grund rufe ich das Weltsozialforum auf, bei allem Respekt für seine Autonomie, die ich nicht in Frage stellen und niemals in Frage stellen werde. Doch ich weiß auch, dass ihr unsere Autonomie, zu sagen, was wir uns denken, respektiert. Ich denke, wir müssen ausgehend vom Forum auf eine klar artikulierte weltweite alternative und antiimperialistische Bewegung hinarbeiten, eine Bewegung, die die gesamte Welt umfasst und die fähig ist Verbindungen zu schaffen, zu wachsen und zu kämpfen. Ich glaube auch, dass wir bereits begonnen haben, Schritte in diese Richtung zu machen. Ich glaube, dass wir uns von dem Risiko, das wir in Porto Alegre angesprochen haben, der Folklorisierung des Forum, eines Forums, das diskutiert und debatiert, aber keine Schlussfolgerung zieht, entfernen. [...] aber wir dürfen keine Zeit verlieren, darauf möchte ich insistieren, wir dürfen keine Zeit verlieren, es handelt sich darum das Leben auf diesem Planeten zu retten, es handelt sich darum die menschliche Spezies zu retten, indem der Lauf der Geschichte geändert wird, seit wir hier von neuem die Fahne des Sozialismus erhoben haben.“

Hugo Chávez