Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

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Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
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Nr. 5 Jänner 2003
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Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 19 November 2006

„Für die Einheit der Revolutionäre, aber kein Ein-Parteien-System“

Interview mit Gonzalo Gómez


Gonzalo Gómez ist Mitglied des „Kommando Miranda für freie Berufe und Techniker“, welches sich für die Wiederwahl des Präsidenten Hugo Chávez einsetzt. Außerdem ist er Gründer der alternativen Nachrichtenagentur ANMCLA, die sich als Sprachrohr der bolivarischen Volksbewegung versteht. Willi Langthaler sprach mit ihm für die Bruchlinien beim Solidaritätskongress für Venezuela am 28. und 29. Oktober in Duisburg.

Bruchlinien: Die Wiederwahl von Präsident Hugo Chávez am 3. Dezember gilt als sicher. Daher bestimmt die Wahlbeteiligung über Erfolg oder Misserfolg. Wird es gelingen die anvisierten zehn Millionen Stimmen zu bekommen?

Gonzalo Gómez: Wir sind guter Hoffnung, dass diesmal die Wahlbeteiligung sehr viel höher liegen wird, denn alle wissen, dass es um eine wichtige Entscheidung für oder gegen die Fortsetzung der Revolution geht. Aber es stimmt, dass es einen wichtigen Teil der Bevölkerung gibt, der passiv geblieben ist. Das hängt vor allem damit zusammen, dass viele von den sozialen Reformen nicht in dem Maß profitierten, wie es möglich gewesen wäre. Es gibt berechtigte Enttäuschung über die weitverbreitete Korruption. Teile der staatlichen Bürokratie bereichern sich auf Kosten der Armen und selbst Chávez hat diese Tatsache schon öfters angegriffen.

Bruchlinien: Der Präsident hat in den letzten Monaten wiederholt den Vorschlag einer Einheitspartei gebracht. Erinnert das nicht stark an das gescheiterte Modell des realen Sozialismus?

Gonzalo Gómez: Wir müssen den Kontext begreifen, in dem Chávez einen solchen Vorschlag vorbringt, und untersuchen, was er damit meint. Denn hinter den gleichen Begriffen können sich mitunter unterschiedliche Konzepte verbergen. Ich glaube nicht, dass der Präsident die Erfahrung Osteuropas wiederholen möchte, sondern es handelt sich vielmehr um eine Antwort auf die heute real bestehenden Parteien. Chávez und sein revolutionärer Kurs werden vom Volk unterstützt, aber um ihn herum gibt es keine Kraft in den Institutionen, die über Prestige verfügen würde. Die Parteien kämpfen in traditioneller Weise um Einfluss und Macht und sie werden von der Bevölkerung für die Korruption und Vetternwirtschaft verantwortlich gemacht. Sie bilden eine richtiggehende Kamarilla. Der Präsident ist sich des Schadens bewusst, den diese Parteien anrichten. Das Volk hat die Nase voll davon, dass sich viele Funktionäre an den für die Armen gedachten Reformen bereichern. So ist unser Hauptproblem heute nicht die offene Konterrevolution, sondern es sind die Skeptischen, die passiv bleiben und dadurch zur Manövriermasse des Gegners werden können. Gegen diese Bürokratie und die sie speisenden Parteien versucht Chávez ein Signal zu setzen.

Bruchlinien: Welche Position nehmen Sie als Vertreter der Volksbewegung ein?

Gonzalo Gómez: Man darf dem Vorschlag des Präsidenten nicht mit Dogmatismus begegnen, sondern muss in einen Dialog treten und sehen, was daran für die Volksbewegung positiv und umsetzbar ist. Wenn unter Einheitspartei die Einheit der revolutionären Kräfte gemeint ist, dann haben wir nichts dagegen. Wir glauben, dass die wirklich revolutionären Kräfte ihre selbständige Aktionsfähigkeit bewahren müssen. Mit Bürokraten und Korrupten wollen wir in keiner gemeinsamen Partei sein, genauso wenig wie mit Unternehmern. Aber diese Kräfte existieren und sie versuchen sich als links und revolutionär zu tarnen, um Unterstützung aus dem Volk zu bekommen. Da müssen wir sehr vorsichtig sein. Es ist besser ihnen als offene Feinde in einer separaten Partei gegenüberzustehen, als sie als falsche Freunde in einer Einheitspartei zu haben.

Bruchlinien: Aber vielleicht sieht das Chávez anders, der ja aus einer militärischen Tradition kommt?

Gonzalo Gómez: Man darf nicht vergessen, dass die von Chávez geführte Revolution dem Land eine wirklich demokratische Verfassung gebracht hat, die Meinungsfreiheit vorsieht, und erste Schritte zur Beteiligung des Volkes an der Macht schon gesetzt wurden. Der Vorschlag des Präsidenten meint nicht das Verbot anderer Parteien. Wir werden die Pluralität und Diversität unserer Bewegung jedenfalls verteidigen. Aber gleichzeitig sehen wir natürlich die Notwendigkeit der Vereinigung derjenigen, die wirklich für die sozialistische Transformation kämpfen.