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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

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Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 14 April 2005

Europäische Innerlichkeit statt amerikanischem Kreuzzug?

In den letzten vier Jahren war die Spiritualität Bushs in europäischen Medien omnipräsent. Obgleich es durch seine Wiederwahl noch absurder als zuvor wird, signalisieren die Zeitungskolumnen anläßlich seiner zweiten Amtseinführung, dass auch in Zukunft die religiöse Verwirrung des US-Präsidenten als Hauptgrund für den imperialistischen Charakter der amerikanischen (1) Außenpolitik herhalten wird müssen.


Die Funktion der Religion ist in vielen Fällen zweifellos jene der Herrschaftsstabilisierung, doch bedeutet das nicht, das sie zu diesem Zweck (rein) künstlich geschaffen wurde, denn als der herrschende Gedanke reflektiert sie bis zu einem gewissen Grad auch tatsächlich immer die Gedanken der Herrschenden. Die Kritik religiöser Dogmen in den fortgeschrittenen westlichen Industrienationen ist weniger deshalb wichtig, weil diese den wahren Charakter des Kapitalismus verhüllen, sondern weil sie vor allem in all ihrer Irrationalität gewissermaßen auch die Wahrheit des Kapitalismus in seiner konkreten Gestalt sind.

George W. Bush und die amerikanische Zivilreligion

George Bush stellt hierin keine Ausnahme dar, auch wenn oft mißverstanden wird, worin seine Religiosität besteht. Gemeinhin gilt er als christlicher Fundamentalist und somit schwarzes Schaf in der langen Reihe ehrwürdiger amerikanischer Präsidenten. Tatsächlich ist jedoch, abgesehen von solch amüsanten Geschichten wie jener von Gott der ihn über seinen Fernsehprediger Billy Graham zuerst vom Alkoholismus abbrachte und dann zum amerikanischen Präsidenten machte, wenig spektakuläres über seine Religiosität bekannt. Er zitiert gerne aus der Bibel und ist Mitglied in der First Methodist Church of Midland, doch worin genau besteht der Einfluß, den sein Glaube auf seine Politik ausübt? Die Antwort ist so trivial wie ernüchternd: Der Inhalt auf den er nahezu alle biblischen Gleichnisse und religiösen Phrasen bezieht ist schlicht und einfach die göttliche Mission Amerikas.
Ernüchternd ist diese Antwort deswegen, weil dadurch jede qualitative Besonderheit der Religiosität Bushs auf ein paar lächerliche Schrullen zusammenschrumpft. Bereits Ende der 60er Jahre prägte Robert N. Bellah für die USA den Begriff der Civil Religion (im weiteren mit Zivilreligion übersetzt, auch wenn diese Übertragung nicht unumstritten ist), womit er die Verschmelzung religiöser und nationaler Ideen bezeichnete, wie sie in dieser Form bei keinem anderen Nationalismus existiert. Es ist bezeichnend, dass Bellah, wie auch die vielen auf ihn folgenden und sich auf ihn beziehenden Sozial- und Religionswissenschaftler diese Begriffschöpfung nicht etwa in kritischer sondern in ganz und gar affirmativer Weise vollzogen, um den von Vietnamkrieg und Bürgerrechtsbewegung erschütterten USA durch die verstärkte Bezugnahme auf die hohe Moralität der auf religiösen Fundamenten errichteten amerikanischen Ideologie wieder mehr Stabilität zu verleihen. Bereits damals beschrieb Bellah anläßlich einer Rede Kennedys, dass der immer wiederkehrende Bezug des amerikanischen Präsidenten auf Gott nicht primär als religiöses Bekenntnis von Bedeutung sei (aus religiösen Gründen hätte das mehrheitlich protestantische Amerika wohl auch kaum den katholischen Kennedy gewählt), sondern vielmehr als nationales Bekenntnis, als Bekenntnis zum Gott einer amerikanischen christlichen Zivilreligion. (Überspitzt könnte man sogar sagen, dass es nicht einmal notwendig ist an Gott zu glauben, um an die göttliche Mission der USA zu glauben.)
Auch der Blick auf die beiden großen amerikanischen Nationalmythen, jenen der Pilger- und jenen der Gründerväter bringt diese Symbiose von Politik und Religion sehr gut zum Ausdruck: Zum einen der immer wiederkehrende Verweis auf den puritanischen Aufbruch aus dem alten und verkommenen Europa um in engem Bündnis mit Gott eine neue Gesellschaft aufzubauen, die seinen Gesetzen gehorcht und sich im Gegenzug seiner Hilfe gewiss sein kann. Zum anderen der Stolz darauf, als erstes Land die Trennung von Kirche und Staat im Besonderen, und die Anerkennung der bürgerlichen Freiheiten im Allgemeinen vollzogen zu haben. Was hier auf den ersten Blick als Widerspruch zwischen bürgerlich-politischem und religiösem Anspruch erscheinen mag, ist tatsächlich jene spezifische Mischung welche die amerikanische Zivilreligion bis heute kennzeichnet: Einerseits das Bewusstsein zivilisatorischer Überlegenheit, andererseits jenes einer göttlichen Mission. Einerseits die Relativierung jeder speziellen Konfession, andererseits die um so stärkere Betonung eines verallgemeinerten christlichen Gottes (auch wenn die protestantischen Elemente natürlich nach wie vor dominieren).
Die Herrschaft der amerikanischen Zivilreligion in den USA ist heute beinahe total. Spätestens seit dem Ersten Großen Erwachen (um 1730) ist die Religion und ihre Verbindung mit dem amerikanischen Projekt nicht mehr bloß die Ideologie der Eliten, sondern fest in der breiten Bevölkerung verankert, und dass der Siegeszug des amerikanischen Imperialismus im 20. Jahrhundert ein übriges getan hat, um die Glaubwürdigkeit des Paktes zwischen Gott und den USA noch weiter zu stärken liegt auf der Hand. Will eine politische Opposition nicht von vorneherein chancenlos sein, ist sie gezwungen sich zur amerikanischen Zivilreligion zu bekennen, doch tut sie es, ist aller Antagonismus dahin. Nicht nur sämtliche amerikanischen Präsidenten, wie etwa der in Europa so beliebte Bill Clinton, der beispielsweise in seiner zweiten Antrittsrede die Rolle Amerikas als Vorkämpfer für Demokratie und Freiheit in das Bildnis des gelobten Landes einbettete, sondern auch radikale Kritiker der amerikanischen Politik wie Michael Moore, der trotz allem letzten Endes nichts anderes anzubieten hat als eine moralisch gereinigte Neuauflage amerikanischer Ideologie samt Stars and Stripes legen von der Unangreifbarkeit der amerikanischen Zivilreligion und somit der prinzipiellen Zustimmung zum imperialistischen Charakter der USA Zeugnis ab.
Die Wiederwahl George Bushs war nicht der Sieg des christlich-fundamentalistischen über das säkulare Amerika, denn beide Kandidaten waren Anhänger der amerikanischen Zivilreligion, aber es war eine eindrucksvolle Demonstration des Umstandes, dass das Bekenntnis zum US-Imperialismus nicht nur (aber zweifellos auch) eine von oben verordnete Bedingung für die Teilnahme am politischen Prozess ist, bei dessen Nichterfüllung der totale Boykott der Medien und oft auch staatliche Repression droht, sondern auch soviel aktive Unterstützung in der Bevölkerung genießt, dass von zwei Kanidaten mit ähnlichen außenpolitischen Programmen nicht der intelligentere gewählt wird, sondern derjenige, der dieses Bekenntnis mit größerem religiösem Eifer vortragen kann. George Bushs missionarisches Gehabe ist die zeitgemäße Antwort der amerkanischen Zivilreligion auf den 11. September und einen verlustreichen Krieg, wobei seine Aussagen genau genommen nicht einmal nur in inhaltlicher Kontinuität zu seinen Vorgängern stehen, sondern selbst vom Wortlaut solch anstoßerregender Ausdrücke wie jenes der „Achse des Bösen“ her nur von begrenzter Originalität sind, seit Reagen bereits in der Sowjetunion das „Reich des Bösen“ erkannte.

Europas neue Religionen - das Konzept „Innerlichkeit“

Richtet man den Blick nun auf die andere Seite des Antlantiks, so scheint hier von einer vergleichbaren Durchdringung der Politik mit religiösen Dogmen keine Spur zu sein. Als George Bush Ende Oktober 2004 in Amerika mit Gottes Hilfe auf seine Wiederwahl zusteuerte, wurde in Europa der als EU-Kommissar vorgesehene Katholik Buttiglione von einer linksliberalen Welle der Entrüstung, der etwas entgegenzusetzen offenbar auch den konservativen Kräften kein besonderes Anliegen war, problemlos abserviert. Tatsächlich ist die große Zeit der katholischen Kirche als zentraler ideologischer Stütze des Kapitalismus, die dafür ihrerseits auf die Unterstützung durch den Staat zählen konnte, im Großen und Ganzen vorbei. Der Kapitalismus bedarf ihrer nicht mehr, und da es (zumindest auf dem westeuropäischen Festland) auch keine nennenswerte soziale Opposition gibt die sich in ihr ausdrücken könnte, ist ihr Untergang nur eine Frage der Zeit. Doch bedeutet dieser Niedergang der mächtigsten Kirche Europas wirklich, dass der Kapitalismus keiner religiösen Fundierung mehr bedarf?
Diese Frage kann getrost verneint werden, denn parallel zum Fall des Katholizismus vollzieht sich der Aufstieg neuer Formen von Religiosität. Das Bedürfnis nach Spiritualität wächst ebenso kontinuierlich wie das Angebot es zu befriedigen, wobei die Palette vom zunehmenden Erstarken liberaler Strömungen in den christlichen Kirchen, die hoffen sich dadurch auf dem freien Markt der Religionen weiterhin behaupten zu können, über die wachsende Popularität des Buddhismus bis hin zum gesamten Bereich der Esoterik reicht. Es wäre nun zweifellos verfehlt, aus diesem bunten Gemisch von religiösen Ideen eine Zivilreligion amerikanischen Stils zu konstruieren, da ihnen nicht nur der Bezug auf einen Staat sondern auf die Politik im Allgemeinen fehlt. Tatsächlich schaffen sie jedoch eben dadurch das religiöse Fundament für die westeuropäischen politischen Systeme - ob man dies nun Zivilreligion nennt oder nicht - denn eines ist all diesen Strömungen gemein: Ein diffuses Konzept der Innerlichkeit, bei dem das Dogma, dass spirituelle Erkenntnisse nur durch den Rückzug des Individuums aus allen weltlichen Zusammenhängen zustande kommen können in einer Radikalität vertreten wird, wie sie die großen christlichen Kirchen niemals erreichten.

Bereits 1844 nahm Marx diese Entwicklung in seiner Schrift „Zur Judenfrage“ vorweg: „Der Mensch emanzipiert sich politisch von der Religion, indem er sie aus dem öffentlichen Recht in das Privatrecht verbannt. […] Sie ist nicht mehr das Wesen der Gemeinschaft, sondern das Wesen des Unterschieds.
[…]
Ja, nicht der so genannte christliche Staat, der das Christentum als seine Grundlage, als Staatsreligion bekennt und sich daher ausschließend zu anderen Religionen verhält, ist der vollendete christliche Staat, sondern vielmehr der atheistische Staat, der demokratische Staat, der Staat, der die Religion unter die übrigen Elemente der bürgerlichen Gesellschaft verweist.
[…]
Religiös sind die Glieder des politischen Staats durch den Dualismus zwischen dem individuellen und dem Gattungsleben, zwischen dem Leben der bürgerlichen Gesellschaft und dem politischen Leben, religiös, indem der Mensch sich zu dem seiner wirklichen Individualität jenseitigen Staatsleben als seinem wahren Leben verhält, religiös, insofern die Religion hier der Geist der bürgerlichen Gesellschaft, der Ausdruck der Trennung und der Entfernung des Menschen vom Menschen ist. Christlich ist die politische Demokratie, indem in ihr der Mensch, nicht nur ein Mensch, sondern jeder Mensch, als souveränes, als höchstes Wesen gilt, aber der Mensch in seiner unkultivierten, unsozialen Erscheinung, der Mensch in seiner zufälligen Existenz, der Mensch wie er geht und steht, der Mensch, wie er durch die ganze Organisation unserer Gesellschaft verdorben, sich selbst verloren, veräußert, unter die Herrschaft unmenschlicher Verhältnisse und Elemente gegeben ist, mit einem Wort, der Mensch der noch kein wirkliches Gattungswesen ist.
[…]
Die Vollendung des christlichen Staats ist der Staat, der sich als Staat bekennt und von der Religion seiner Glieder abstrahiert. Die Emanzipation des Staats von der Religion ist nicht die Emanzipation des wirklichen Menschen von der Religion.“(2)

Heute zeigt sich in aller Deutlichkeit, dass Marx´ Mißtrauen in die Fähigkeit des bürgerlichen, oder wie er sagt politischen Staates, den Menschen von der Religion emanzipieren zu können nicht nur berechtigt, sondern sogar noch untertrieben war. Denn erstens war die politische Emanzipation für Marx zwar nicht mit der menschlichen gleichzusetzen, bedeutete aber auf dem Weg dorthin dennoch einen Fortschritt, während sich heute gerade am Beispiel Amerikas, das für Marx das Musterbeispiel politischer Emanzipation war zeigt, dass diese politische Emanzipation nicht notwendigerweise eine Nähe zur menschlichen Emanzipation aufweist, und die Entwicklung auch problemlos wieder in die andere Richtung gehen kann. Und zweitens stellte Marx seine Überlegungen naturgemäß auf die Grundlage einer christlichen Religion, während die Gegenwart das Aufkommen neuer Formen von Spiritualität sieht, die sich wesentlich besser dazu eignen, den Menschen in seiner „unsozialen Erscheinung“ zum Mittelpunkt der Welt zu machen, als dies das Christentum, dem heute sogar immer öfter die Rolle des Einmahnens sozialer Werte zufällt, je vermochte.
Indem die christlichen Glaubensgemeinschaften zuehmend auf ihre Rolle als politische Organisationen verzichten, nehmen natürlich auch sie den von Marx prognostizierten Weg, doch allein durch ihre karitativen Züge ist ihnen die Verherrlichung des bürgerlichen Individuums nicht in der gleichen Radikalität wie anderen Religionen möglich, weswegen ihnen eine gesellschaftliche Schlüsselfunktion verwehrt bleibt. Der Kapitalismus benötigt die Religion nicht mehr zur Kontrolle der Unterschichten - denn von diesen geht ohnehin keine unmttelbare Gefahr aus - sondern um die komplette Atomisierung der Gesellschaft religiös zu verewigen. Die religiöse Wahrheit wird nicht mehr von der Bibel oder dem Papst vorgeschrieben, sondern im Bewußtsein jedes einzelnen Menschen geortet, aber nicht im Bewußtsein des Menschen als sozialem, sein Leben selbst bestimmendem Wesen, sondern als Abbild seiner Stellung im Kapitalismus, als vereinzeltem Individuum, dessen Bewußtsein vor allem in der Machtlosigkeit gegenüber dem ihn umgebenden System besteht, dem nichts anderes übrigbleibt, als die Zwänge des Kapitalismus als unveränderlich anzunehmen und zu verinnerlichen. Indem der Kapitalismus jede Kollektivität verdammt, und die Suche nach sich selbst, nach innerer Harmonie und Frieden, usw. zum neuen Dogma ernennt, erreicht er eine direkte Verehrung seiner Prinzipien, die ihm keine andere Religion bieten konnte, verpackt in die äußerst glaubwürdige Illusion von Selbstbestimmung.

Bedeutung der Religionskritik

Das arrogante und fundamentalistische Gehabe Bushs hat weiten Teilen der europäischen Bevölkerung die religiöse und zutiefst irrationale Komponente der amerikanischen Politik vor Augen geführt, und eine breite, obgleich mehr vage als klare Opposition zu dieser Politik hervorgerufen. Doch angesichts der politischen Kräfteverhältnisse erhällt die Geste mit der sich das aufgeklärte Europa vom Fundamentalismus Bushs abwendet eher einen tragikomischen denn einen erhabenen Charakter: Gewiss, die amerikanische Zivilreligion ist irrational, so wie es jedes bürgerliche Klassenbewußtsein ist, doch sie ist kein Amoklauf. Abgesehen von den gänzlich marginalisierten Schichten, die unfähig sind ihr politisch etwas entgegenzusetzen ist sie in der gesamten amerikanischen Gesellschaft tief verankert, und dazu in der Lage auch relativ verlustreiche Kriege zu ermöglichen, ohne dadurch ernsthafte innenpolitische Turbulenzen auszulösen. (Die bisherigen Verluste im Irak reichten nicht einmal aus um eine Regierung abzuwählen.) Amerika kann seine religiösen Allmachtsphantasien niemals verwirklichen, aber es hat genügend Macht um die Welt in Krieg und Terror versinken zu lassen, wenn es nicht zuvor gestoppt wird. Während amerikanische Truppen ausziehen die Welt zu erobern, erklärt Europa mit lächerlichem Stolz, dass es über diese religiösen Fanatiker erhaben sei, da es sich nicht nur in Sphären unmartialischer sondern überhaupt gänzlich unpolitischer Formen der Spiritualität befinde, während es gleichzeitig die amerikanischen Kriege zumindest passiv unterstützt, die amerikanische Kultur zelebriert, und sich auch sonst brav in das amerikanische Reich einordnet.
Doch ob es das amerikanische Bürgertum, das die Welt mit seinen imperialistischen Kriegen überzieht, oder das europäische, das ihm hinterherläuft und dankbar die Krümel aufklaubt, ist, welches die größere Verachtung verdient soll hier nicht behandelt werden, nur soviel sei angemerkt: Was auch immer sich seit Marx´ Zeiten in Bezug auf die Religion verändert haben mag, die kapitalistischen Ideolgien - welche Form sie auch immer annehmen mögen - benötigen als falsches Bewußtsein der Bourgeoisie nach wie vor ein religiöses Fundament, und in Zeiten in denen man in den imperialistischen Zentren für die nähere Zukunft nicht mit einem Aufbegehren der Arbeiterklasse rechnen kann hängt der Erfolg des Kampfes gegen die Kriege der USA auch davon ab,
ob dieses relgiöse Fundament weiterhin seine Glaubwürdigkeit behalten und verhindern kann, dass die Lösung für die vielfältigen Widersprüche des Kapitalismus wieder am einzig sinnvollen Ort, nämlich der praktischen Beseitigung mittels gesellschaftlicher Umgestaltung statt in der Erklärung mittels spiritueller Methoden gesucht wird.

Josmar Kroner

(1) Jede Benutzung der Wortstämme „amerika“ und „europa“ bezieht sich im nachfolgenden Text auf die kapitalistischen Zentren USA und Westeuropa. Diese Regelung ist ausschließlich der besseren Lesbarkeit des Artikels geschuldet und soll in keinster Weise eine Diskriminierung der anderen amerikanischen oder europäischen Länder darstellen.

(2) Karl Marx, Zur Judenfrage, in: Siegfried Landshut (Hrsg.), Karl Marx - Die Frühschriften, 1968, Alfred Kröner Verlag Stuttgart, S. 183-189