Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 14 April 2005

Ein Denkmal den Faschisten

In Bleiburg soll eine Gedenkstätte für gefallene Ustascha-Kämpfer errichtet werden. Ein symptomatischer Beitrag zum „Gedankenjahr 2005“.


Der SP-Bürgermeister von Bleiburg, Stefan Visotschnig, sieht in dem Ausbau des Ustascha-Denkmals am Loibelfeld bei Bleiburg in Kärnten kein Problem, zumal, wie er betont, dies „positiv für die Bleiburger Gastronomie“ sei. Der SP-Landesparteichef Ambrozy möchte sich zu der Sache nicht äußern. Und Jörg Haider findet das Gedenken an die „Opfer der Bleiburger Tragödie“ völlig gerechtfertigt. Schließlich steht in Wien, so Haider, ja auch ein Denkmal für die Rote Armee.
Angesichts des historisch bewahrten Einverständnisses zwischen SPÖ und FPÖ in Kärnten, bzw. gewollter Gleichgültigkeit scheint es notwendig den Blick auf die Geschichte in Bleiburg um den Neubau des Gedenksteins für die dort umgekommenen Ustaschakämpfer nochmals zu schärfen.
Im September dieses Jahres wurde bekannt, dass die kroatische Regierung 125.000 Euro zum Neubau des Denkmals für die im Mai 1945 getöteten Anhänger des faschistischen Ustascha-Regimes zur Verfügung stellt. Es soll an jenem Ort errichtet werden, an dem damals Ustaschi bei ihrem Rückzug auf die jugoslawischen PartisanInnen trafen. Rund 40.000 der Nazi-Kollaborateure welche in Österreich „Schutz vor den Tito-Partisanen suchen wollten“, sollen dort umgekommen sein.
Seither finden auf dem Loibelbacher Feld jährliche Gedenkveranstaltungen statt. Der Jahrestag wurde bereits in den 50er Jahren zunächst von kroatischen Emigranten und nach der Unabhängigkeit Kroatiens auch unter Teilnahme von hochrangigen Regierungsmitgliedern aus Zagreb zelebriert. Was eigentlich als Widerbetätigung verboten werden sollte, dient der kroatischen Regierung als positiver Integrationsmythos insofern der Ustascha-Staat als erster unabhängiger Staat auf kroatischem Boden“ gefeiert werden kann.
Die Ustaschi erwiesen sich im zweiten Weltkrieg als treue Handlanger der Nationalsozialisten und der italienischen Faschisten. Beim Einmarsch der deutschen Truppen in Jugoslawien wurde die Wehrmacht von den Ustaschi als „Befreier Kroatiens aus dem jugoslawischen Vielvölkerstaat“ begrüßt. Entstanden als entschieden anti-jugoslawische Bewegung wurden unter der Herrschaft der kroatischen Faschisten mehrere hunderttausende kroatische AntifaschistInnen, SerbInnen, JüdInnen und Roma getötet. Das unabhängige Kroatien von 1991 bot vielen der nach dem Fall des nationalsozialistischen Regimes geflohenen kroatischen Faschisten eine neue Heimat. Den österreichischen Behörden wiederum ist nicht nur die Ankurbelung des Fremdenverkehrs willkommen – wie die Aussagen Jörg Haiders und des Bürgermeisters verdeutlichen werden offensichtlich antifaschistische KämpferInnen weiterhin als MörderInnen gesehen und bezeichnet. „Opfer, gab es ja auf beiden Seiten“ so der Bleiburger Bürgermeister.
Eine skurrile Tatsache, bedenkt man, dass Österreich dieses Jahr ganz im Zeichen der Jahresfeiern zur Begründung der zweiten Republik steht und zur Befreiung vom Faschismus.

Irina Vranac