Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 13 November 2004

Editorial


Editorial

Spannend war’s bis zum Umfallen. Die Anchormen von CNN hielten sich bis frühmorgens an ihren Studiotischchen fest, doch ein Endergebnis wagten sie diesmal nicht vorzeitig zu präsentieren. Den (wenn auch nicht allzu festen) Schlag in die Magengrube der liberalen Weltöffentlichkeit versetzte deren Hoffnungsträger Nummer Eins der letzten Wochen dann höchstpersönlich: John Kerry wollte doch nicht jede Stimme zählen lassen, gratulierte daher lieber gleich dem Gottessohn zu dessen Wiederwahl und verschwand in die Bedeutungslosigkeit, aus der er gekommen war.
Dem Betrachter kamen in der Wahlnacht zwei Verdachtsmomente. Zum einen wurde man stutzig ob der allzu knappen Entscheidung und dass 2004 ebenso wie 2000 der entscheidende Bundesstaat so hart umkämpft war, dass die Nachrichtensender ihr ersehntes Herzschlagfinale auch tatsächlich bekamen. Als hätte CNN die Regie der Stimmabgabe übernommen. Dieser Verdacht ist durchaus kein ernst gemeinter.
Zum zweiten macht das oft zitierte Argument argwöhnisch, wonach John Kerrys Wahlprogramm dem Bushschen so ähnlich war, dass die Wähler doch lieber gleich das Original der Kopie vorzogen. Haben die Demokraten etwa für die Republikaner wahlgekämpft? Für die Antwort muss man nicht nach Verschwörungen Ausschau halten, sondern, so schwer es auch der europäischen Intelligenz fällt, die amerikanische politische Realität so nehmen, wie sie ist. Mit der Ablehnung des Irakkriegs und einer Abkehr vom „Krieg gegen den Terror“ (übersetzt: eine Abkehr von „Krieg und Terror“) gewinnt man in den USA augenscheinlich keinen Blumentopf. Anders ist es nicht zu erklären, warum die Demokraten einen derart „liberal“ vorbelasteten Politiker (als Veteran kritisch gegenüber dem Vietnamkrieg) lieber auf der patriotischen Welle reiten ließen, als ihn in gefährlichere Gewässer zu stoßen. Die immer wieder gebrachte Behauptung von der „Spaltung des Landes“ im Präsidentschaftswahlkampf entbehrte jeglicher Grundlage, Kerry mobilisierte nicht für Truppenrückzug oder gar Aufgabe einer aggressiven Außenpolitik, er kritisierte Bush nur ob seiner augenscheinlichen Unfähigkeit in der Ausführung des imperialistischen Programms der USA, nicht aber die Intention und Folgen dieser Politik.
Hoffnungsfroh dürfen auch die alljährlichen Rechnungen nicht stimmen, wonach nur etwa 30 Prozent der wahlfähigen Bevölkerung für Bush gestimmt haben. Noch nie hat ein Präsidentschaftskandidat in den USA derartig viele Stimmen erhalten. Und: die schweigende Minderheit, die entweder aus einem der vielen möglichen Gründe von der Wahl ausgeschlossen war oder einfach nicht hinging, ist passiver als je zuvor und kann nicht als Beweis für das herbeiphantasierte „andere Amerika“ gelten.
Eine wirklich schicksalsträchtige Wahl hingegen soll demnächst in den palästinensischen Autonomiegebieten stattfinden. Nach dem Tode Yasser Arafats ist die Entwicklung in Palästina wieder völlig offen. Margarethe Berger versucht in dieser Ausgabe der bruchlinien einige mögliche Szenarien der nahen Zukunft zu zeichnen.
Die EU versucht sich im Nahost-Konflikt wieder als Faktor einzubringen, daneben wird in Brüssel noch immer viel über den Beitritt der Türkei diskutiert. Stefan Hirsch und Willi Langthaler beleuchten die Argumente der Befürworter und Gegner der neuen Erweiterung und die Rolle der europäischen Länder in der Unterstützung der türkischen Militärdiktatur in den vergangenen zwei Jahrzehnten.
Eine Analyse über die Politik des venezolanischen Präsidenten Chavez und wie immer Beiträge zum Brennpunkt Irak runden diese Ausgabe der bruchlinien ab.

Stefan Kainz