Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 10 Jänner 2004

Editorial


Editorial

Schorschi Hoffmann-Ostenhof („Hasi“, wie er von seinen Freunden in der Gruppe Revolutionärer Marxisten genannt wurde) schreibt im profil über die kurz vor Jahresende 2003 stattgefundenen serbischen Wahlen: „Dass die Serben politisch spinnen, ist freilich angesichts der Wahlergebnisse nicht so leicht von der Hand zu weisen.“
Was war passiert? Die Wahlberechtigten eines im letzten Jahrzehnt mehr als aufmüpfigen Landes („die Serben“, wie sie Hasi durchwegs nennt, der Ausdruck „Bevölkerung Serbiens“ kommt bei seinem ein-seitigen Kommentar nicht ein einziges Mal vor) hatten nicht für den ausdrücklichen Vorschlag anderer Länder (der EU) gestimmt, sondern stattdessen für eine Partei votiert, dessen Vorsitzender zurzeit Gefangener eben dieser anderer Länder ist. „Und bedenkend, dass die Serben in nur wenigen Jahren Bodenkrieg, Bomben, Revolution und Gebietsverluste erlebten, vermag das seltsame Wahlergebnis dann doch nicht wirklich zu schockieren“. Heisst: OK, wir sind gar nicht so enttäuscht, dass ihr wieder mal einen Fehler gemacht habt, für den wir euch normalerweise mit Bodenkrieg, Bomben und Gebietsverlust bestrafen würden - die kleine Dummheit sei euch verziehen. Wir wissen schon, wie wir den Serben da wieder raushelfen: „Die [Wähler westlich orientierter Parteien] und Serbien als Ganzes sollten – und das mag die Lehre aus den Dezemberwahlen sein – von der Welt in verstärktem Maße unterstützt werden.“ Perfide Drohungen des zivilisierten Teils Europas lauten heute: Wir werden Euch unterstützen, bis ihr die richtige Regierung gewählt habt. Notfalls mit Prozessen in Den Haag, Bomben und Gebietsverlust. Für die Rettung der Demokratie ist den alten Trotzkisten und neuen Liberalen jedes Mittel recht. Für jeden Serben eine beängstigende Vorstellung.
Es gibt aber auch funktionierende Demokratien, z.B. in Israel, wo ein Teil der wahlfähigen Bevölkerung aufgrund ihrer Abstammung gar nicht wählen darf. Ist auch besser so: Der Weg zu den Urnen wäre viel zu gefährlich. Einer der wenigen österreichischen Politiker, der sich öffentlich dazu geäußert hat, ist der Kärntner Landeshauptmann. So schnell konnten die Zuseher gar nicht „ZiB“ sagen, verlas die Sprecherin im ORF nach gesendetem Haider-Interview eine Gegendarstellung Israel sei aufgrund der Wahlen, die Ariel Sharon zum Premier gemacht hatten, durchaus ein demokratisches Land. Tags darauf durfte dann die SPÖ losplärren, unter anderem wegen Haiders Vergleich des aktuellen amerikanischen und des ehemaligen irakischen Staatsoberhaupts.
Es gibt viele Gründe, Jörg Haider abzulehnen, kein einziger fand sich in seinen Statements zur Weltpolitik im Zeit im Bild-Interview. Es gibt jedoch genauso viele gute Gründe, seine Kritiker und erklärten Gegner anzuklagen, wenn sie im vorgeblichen Kampf gegen einen Rechten sich zu Verteidigern von George W. Bush, Ariel Sharon und einer imperialen Weltordnung machen. Und es gibt die allerbesten Gründe dafür, den Versuch eines gescheiterten „Linken“ im profil eine erfolgreiche antiwestliche Partei in Serbien als „rechts“ zu diskreditieren als das zu bezeichnen, was dahinter steht: Eine leicht zu durchschauende Apologie der Herrenmenschendemokratie, die gegenwärtig über die Welt wacht: global, liberal und brutal.

Stefan Kainz

P.S.: Um die inhaltliche Tiefe unseres Magazins zu verbessern, haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr auf eine vierteljährliche Erscheinungsweise umzustellen. Das nächste Heft erscheint somit Mitte April. Für unsere Abonnenten ändert sich nichts - sie erhalten weiterhin die ihnen versprochene Anzahl an Ausgaben.

P.P.S.: Auf der Suche nach einer Fotostrecke für diese Ausgabe der bruchlinien stießen wir auf die Internetseite www.herobuilders.com. Dort können „Action-Figuren“ zur Mobilisierung im Kinderzimmer bestellt werden. Unseren Leser wollen wir diese furchterregende Plastikmachung des amerikanischen Kriegstraums nicht vorenthalten.