Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
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Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 10 Jänner 2004

Wirtschaftliche Integration: Das Gewicht Deutschlands

Details zu Europa vorbei?


Eine wirtschaftliche Integration Europas, auch im Sinne des Zusammenwachens verschiedener nationaler Kapitalgruppen, ist bis jetzt nicht zu beobachten. Es gibt keine „europäischen“ Konzerne, keine „europäische“ Wirtschaftspolitik, auch keinen „europäischen“ Imperialismus mit einheitlichen Interessen. Auf der anderen Seite gibt es Staaten und Kapitalgruppen mit relativ hohem Gewicht. Deutschland erwirtschaftete 1999 26 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der EU 15 (in Dollar), gemeinsam mit Frankreich 43 Prozent. Die Zahl der deutschen Konzerne unter den 100 größten Transnationalen Konzernen Europas (nicht der EU) betrug im selben Jahr 30, welche 35 Prozent des Umsatzes dieser Unternehmensgruppe erwirtschafteten. Gemeinsam mit Frankreich erhöht sich diese Zahl auf 56 respektive 58 Prozent des Umsatzes. Gerade die letztere Maßzahl hat sich seit 1990 auch vergrößert, im Zeitraum dieser neun Jahre legte der Anteil der deutschen Konzerne am Umsatz der 100 größten europäischen Multis um 5,4 Prozentpunkte zu, jener der französischen um 2,6 Prozentpunkte – vor allem zu Lasten Italiens und Großbritanniens.
Europa wird also von deutschen und französischen Kapitalgruppen dominiert, ein Prozess der durch gemeinsamen Markt und gemeinsame Währung sicher noch beschleunigt wird. (Zur Relativierung sollte angemerkt werden: 2001 waren von den weltweit 100 größten Konzernen 59 US-amerikanisch.)
Die Frage ist allerdings: Wie deutsch ist Daimler-Chrysler oder Bayer? Zweifellos sind Transnationale Konzerne national verankert, sie konditionieren nicht nur die Politik ihrer Heimatstaaten, die Dienstleistungen und politische Aufgaben für diese oberste Spitze der Bourgeoisie übernehmen, sie stellen auch einen Hebel dar, über den weltweit Einfluss geltend gemacht werden kann. Die weltweit operierenden Konzerne benötigen eine stabile internationale wirtschaftliche und politische Ordnung, wie sie im Augenblick nur die USA garantieren kann – weil deren Binnenmarkt als einziger in der Lage ist die weltweite Überproduktion zu absorbieren und deren militärischer Apparat als einziger die weltweite kapitalistische Ordnung aufrechterhalten kann. Es ist also keineswegs verwunderlich, dass der Vorstand von Daimler-Chrysler gemeinsam mit anderen Exponenten der deutschen Bourgeoisie (etwa dem Springer Verlag) während der Irak-Krise ein Memorandum für die atlantische Freundschaft unterzeichnet hat. Kurz: Daimler-Chrysler bleibt ein deutscher Konzern, aber er ist dem deutschen Staat nicht mehr in der selben Art und Weise verbunden wie die Großindustrie vor 1945, als die großen Monopole viel weitgehender national beschränkt waren. Damit geht auch die Bereitschaft verloren riskante politische Alleingänge zu unterstützen.
Während deutsche Konzerne in Europa und auch international ihren Einfluss ausbauen können, verliert der „Standort“ Deutschland an Bedeutung, und mit ihm auch die Einflussmöglichkeiten des deutschen Staates. Das beginnt mit dem geringeren Wirtschaftswachstum, nicht nur gegenüber den USA, sondern auch gegenüber dem übrigen Euro-Raum (seit 1992 durchschnittlich knapp zwei Prozent p.a. unter dem US-amerikanischen Wachstum, aber auch deutlich geringer als im Durchschnitt der europäischen Konkurrenten.) 1993 verlor Deutschland den Titel des „Export-Weltmeisters“ an die USA und ist seither weiter zurückgefallen: 1990 erzeugte Deutschland 12 Prozent der weltweiten Exporte, die USA 10,5 Prozent, Frankreich 6,0. Zehn Jahre später lagen diese Zahlen bei 8,4 (Deutschland), 12,4 (USA) und 4,7 (Frankreich).