Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 10 Jänner 2004

Aus den Augen

Am 13. Juli 2001 fasste der burgenländische Landtag den Beschluss, in Gemeinden, die Wohnorte von hingerichteten Widerstandskämpfern und Naziopfern waren, Gedenkstätten zu errichten. Die Gemeinden Kemeten und Großpetersdorf ignorieren diesen Beschluss bis heute erfolgreich.


Hans Anthofer ist Seniorsprecher des Unabhängigen Antifaschistischen Personenkomitees Burgenland. Seit Jahren versucht er, die Gemeinde Großpetersdorf zur Errichtung einer Gedenktafel für den Widerstandskämpfer Josef Holaunbrenner zu bewegen. Holaunbrenner lebte in Großpetersdorf bis zum 13. März 1938, war der örtliche Gendarmerie-Postenkommandant und jüdischer Herkunft. Am Tage des Einmarsches wurde er von Nationalsozialisten zusammengeschlagen und schwer verletzt, vierzehn Tage später starb er im KZ Buchenwald. Trotz Landtagsbeschlusses und der Initiative Hans Anthofers verweigern Gemeinde und Bürgermeister eine Gedenkstätte für Holaunbrenner. Kein Einzelfall im Burgenland.

Aus dem Sinn

Roma und Sinti werden erst seit 1993 überhaupt als Volksgruppe in Österreich anerkannt. Ins österreichische Gedächtnis drangen sie, wenn überhaupt, nur kurz, als 1995 vier Roma bei einem Bombenanschlag in Oberwart ihr Leben ließen.
Unweit von Oberwart liegt die Gemeinde Kemeten, wo von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs die gesamte Roma-Gemeinde, 209 Menschen, vom Kleinkind bis zum Großvater, ausgelöscht wurde. In einem moderaten Schreiben an den Gemeinderat bat der Verein Roma aus Oberwart Anfang des Jahres 2002 um ein Gespräch über die Errichtung einer Gedenktafel für die Opfer. Bereits im Juli 2000 hatte sich der Gemeinderat in aller Deutlichkeit (17:2 Stimmen) dagegen ausgesprochen. Der Roma-Verein hoffte auf ein Umdenken. Bis zu einer Beschlussfassung verging allerdings noch mehr als ein Jahr, in dem dutzende Briefe verschiedener Organisationen (vom Mauthausen-Komitee über kommunistische Organisationen bis zum KZ-Verband) und Personen (Bischof Iby, Landtagspräsident Walter Prior) in Kemeten einlangten. An der entscheidenden Sitzung im Gemeinderat am 24. Oktober 2003 nahm auch Prof. Rudolf Sarközi, der Vorsitzende des Volksgruppenbeirats Teil. Sarközi ist auch Bezirksrat für die SPÖ im 19. Wiener Gemeindebezirk und damit Parteigenosse des Bürgermeisters von Kemeten, Johann Nussgraber. Nussgraber hätte durch Druck auf seine Parteikollegen sehr leicht einen positiven Beschluss über die Gedenktafel erreichen können, denn 14 der 19 Gemeinderäte in Kemeten werden von seiner Partei gestellt.
Aber dazu kam es nicht: Trotz der vielfachen Interventionen stimmte der Gemeinderat 14:5 gegen die Gedenkstätte, Sarközi äußerte darüber gegenüber den Mandataren seine Entrüstung und erntete dafür nur das übliche Schweigen. Bürgermeister Nussgraber versicherte dem Roma-Vertreter anschließend, dass er für die Gedenktafel gestimmt hatte, verweigerte aber den Medien in den darauf folgenden Wochen jegliche Auskunft zu diesem Thema.

Ganz abgeschlossen war für den Gemeinderat die Sache mit der Roma-Erinnerungsstätte aber auch nach dem zweiten negativen Beschluss nicht. Denn nachdem auf der ORF-Homepage über die Causa berichtet worden war, häuften sich kritische Stimmen im Internet-Forum der Gemeinde Kemeten. Diese wurden allerdings binnen weniger Täge samt und sonders gelöscht.
Für den Sprecher des Antifaschistischen Komitees Burgenland, Horst Horvath, ist der Kampf um die Gedenkstätte jedenfalls nicht vorbei: „„Ich finde, es ist eine Frechheit, wenn sich die Gemeinderäte hinter der Anonymität verstecken. Wahrscheinlich möchte man sich innerhalb der Gemeinde nicht mit der Geschichte des eigenen Dorfes auseinander setzen. Wir werden alle demokratischen Möglichkeiten in Erwägung ziehen, um die Gedenkstätte zu errichten. Sollte ein gemeinsamer Weg mit der Gemeinde nicht möglich sein, so werden wir wohl ein Privat-Grundstück in der Gemeinde Kemeten erwerben müssen.“

Stefan Kainz