Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

Verkaufstellen:: Beiträge:: Impressum&Kontakt:: Abo:: Info mail:: Werben
suche:

 

 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Rezensionen

American Empire –No thank you

Der Riss, den der Irakkrieg in der Welt hinterlassen hat, ist unübersehbar. Die US-amerikanische Gesellschaft erscheint – vor allem Aufgrund der Medienkonzentration seit dem 11. September 2001 monolithisch. Allerdings ist es eben nur ein Schein. Die Zustimmung zum Irak-Feldzug lag in den USA bei 70% daraus folgt das 30% dagegen oder zumindest nicht dafür waren – so viele wie bei noch keinem bevorstehenden Krieg der USA.


„Andere Stimmen aus Amerika“ so der Untertitel eines im August 2003 erschienenen Buches – antizipiert bereits, dass wir aus Amerika nur eine Stimme zu hören bekommen, nämlich die der Eliten, die es nach dem 11. September geschafft haben, die großen Medien zu ihren exklusiven Foren zu trimmen. Doch abseits vom Augenscheinlichen finden in den Eliten entscheidende Kämpfe um die künftige Ausrichtung der USA statt. Die Diskussion ob die USA ein Empire sind, ist schon längst in die Frage welcher Natur dieses Empire gehorchen sollte, internalisiert. Diese Fragestellung beschäftigt nicht nur die Linke sondern hat auch sehr große wirtschaftliche und soziale Folgen, die in der Zusammenstellung von Interviews und Kommentaren im Buch beleuchtet werden.

Die Bush-Doktrin des Präventivkrieges wurde von Wolfowitz und Co. bereits Anfang der Neunziger als Neuorientierung nach dem Ende des Kalten Krieges entwickelt und vorgeschlagen. Diese fand aber unter Clinton keine Zustimmun, und wurde unter den Phrasen der Demokratisierung durch Institutionalisierung und vor allem unter dem Wirtschaftsboom des ersten Jahrzehnts US-amerikanischer Globalisierung begraben. Der ökonomische Liberalismus gewann die Oberhand. Mit dem 11. September sahen die Vordenker Bushs allerdings ihre Stunde gekommen und warfen zentrale Achsen des Neoliberalismus über Bord – der Primat der Politik erhob sich wieder über die Ökonomie. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass Bush mit seinem Kriegskurs die USA auf eine handfeste Budgetkrise zusteuert – und dafür die Zustimmung des Senats meist ohne viel Gegenwehr erhält. Denkt man die Pläne der sogenannten Neocons allerdings zu Ende, so erscheinen die jetzigen Ausgaben für den weltweiten Krieg gegen den Terror als eine kleine Anzahlung. Das eigentliche Ziel – alle unliebsamen Regierungen auszuwechseln, vorzugsweise mit militärischen Mitteln –wird die Ausgaben in astronomische Höhen klettern lassen. Hier setzt ein weiterer Aspekt des Buches „Amercian Empire – No Thank You“ an, nämlich das Verhältnis der USA zu Europa. Klar ist, selbst bei den heutigen Rüstungsetats der USA, dass es für ein europäisches Militärbündnis keine Option sein kann, mit den USA in ein Wettrüsten einzutreten. Die sozialen Probleme würden den Herrschenden hier sehr bald über den Kopf wachsen. Trotzdem ist es interessant zu beobachten auf wen und wie die USA im vergangenen Jahr eingewirkt haben. Alte Ressentiments wurden bewusst geschürt. Vor allem Frankreich und Deutschland standen unter medialem Dauerbeschuss. Mit der Auswirkung, dass „die anderen Stimmen aus Amerika“ Franko- und Germanismen als Protest gegen die Regierungspolitik En Vogue werden ließen. Allerdings ungeachtet der großen Medien, die lieber über die landesweite freiwillige Umbenennung der „French Fries“ in „Freedom Fries“ berichteten. Die Bush-Regierung hat bereits neue Partner in den EU-Erweiterungskandidaten gefunden, und diese zum Spielball ihrer Interessen – der Machtverschiebung in Europa weg von Berlin-Paris – gemacht.

Die Vielfalt der Erklärungsmodelle der amerikanischen Gesellschaft und derzeitigen Politik wird in diesem Buch durch eine breite Streuung der Autoren widergespiegelt. Neben Journalisten verschiedener politischer und geographischer Herkunft kommen auch wichtige „Vertreter“ der Antiglobalisierungsbewegung wie Noam Chomsky zu Wort. Der Titel des Buches „American Empire“ lässt für die Herausgeber auch keinen Weg an Michael Hardt vorbei, der hier ebenfalls in Form eines Interviews den Irak-Krieg und die Bush-Doktrin im Lichte seiner mit Toni Negri entworfenen „Empire“-Theorie reflektiert. Abgerundet werden die Beiträge durch interessante Medienanalysen und ökonomische Sichtweisen, die den zügigen Umbau der US-Gesellschaft zu einer Kriegsgesellschaft ohne Feigenblatt zeigen.

Durch die vielen verschiedenen Beiträge sind die Artikel theoretisch nicht tiefgehend. Die meisten Beiträge bleiben, aufgrund der Kürze, deskriptiv. Als Grundlage einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den einzelnen Autoren ist dieses Buch daher sicher nicht geeignet. Das Buch ist in der Reihe „Edition Zeitgeschichte“ erschienen, und diesen Zweck erfüllt es auch sehr gut, da es die aktuellen Vorgänge aus anderen Perspektiven beschreibt, als es die gleichgeschalteten Medien zulassen.

Robert Fisch

American Empire – No thank youAndere Stimmen aus Amerika
Mit Beiträgen von: Noam Chomsky, Hisham Sharabi, Michael Hardt, Howard Zinn, Michael Walzer, Frances Fox Piven, William K. Tabb, William Hartung, Yifat Susskind, Ian Williams
Kai Homilius Verlag, Berlin, 2003