Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Aktuell

„Eine andere Welt ist zu unbestimmt“

Antiimperialisten organisieren Parallelforum zu WSF


Darshan Pal ist Vorsitzender des „Allindischen Volkswiderstandsforums“ (AIPRF), das vor allem in Bihar, Andra Pradesh und Orissa landlose Bauern, Unberührbare und Ureinwohner organisiert. AIPRF gilt als legaler Arm der naxalitischen Guerillabewegung.

Warum organisieren Sie parallel zum „Weltsozialforum“ (WSF) „Mumbai Widerstand 2004“ (MR2004)?

Das Motto der Sozialforen, laut dem eine andere Welt gegen die neoliberale Globalisierung möglich sei, ist zu unbestimmt. Das WSF will nicht klar aussprechen, dass hinter dahinter der Imperialismus steckt und dieser bekämpft werden muss. Hier in Indien wie auch anderswo, beispielsweise heute im Irak, gibt es massiven antiimperialistischen Widerstand, der gezwungen ist, bewaffnete Formen anzunehmen. Die Sozialforen schießen militante Kampfformen hingegen aus. Das entspricht einer Organisationsform, die de facto nicht in der Lage ist kollektive politische Entscheidungen zu treffen. Entschieden wird dann von den Eliten, die Zugang zu den Medien haben, von den europäischen Staaten gefördert werden und letztlich politisch aus deren Orbit nicht auszubrechen bereit sind. Darum haben wir uns entschlossen das WSF zwar nicht zu boykottieren, aber eigenen antiimperialistischen Gipfel parallel dazu zu veranstalten.

Was gibt MR2004 hinsichtlich indischer Politik sein Profil?

Seit Jahrzehnten sprechen alle von der Abschaffung der Kasten und insbesondere der Verbesserung des Stellung der Dalits (der Unberührbaren). Doch niemand will die zugrundeliegende Frage der Landreform aufgreifen. Der bewaffnete Kampf gegen den Terror der Großgrundbesitzer zielt in diese Richtung. Oder nehmen Sie die Frage der Hindutva (Hindu-chauvistische Bewegung der höheren Kasten) und der Rechte der Muslime. Wir stellen uns so eindeutig wie niemand sonst auf die Seite der unterdrückten Minderheiten, einschließlich der Moslems. Wir haben mittels einer Untersuchungskommission nachgewiesen, dass das Massaker von Gujarat von den Behörden zumindest zugelassen wurde. Eine unserer wichtigen Forderungen ist der Wiederaufbau der Babri-Masjid-Moschee in Ayodhya, die von den Hinduchauvinisten zerstört wurde. Aber wir treten nicht nur für die Rechte der religiösen Minderheiten und für einen säkularen Staat ein, sondern unterstützen auch das Selbstbestimmungsrecht der nationalen Minderheiten wie beispielsweise in Kashmir.

Wie wird MR2004 in Indien aufgenommen und welche Ergebnisse erwartet Sie sich?

Was Indien selbst betrifft, können wir unsere Kräfte mit jenen des WSF ohne weiteres messen. Zahlreiche große Bauernverbände, Gewerkschaften, Studentenorganisationen unterstützen uns. Auch wichtige muslimische Vertreter bekennen sich zu MR2004. Zuletzt hat Arundhati Roy (die derzeit international bekannteste Schriftstellerin Indiens) bekannt gegeben, dass sie nicht nur am WSF, sondern auch bei uns Antiimperialisten sprechen wird. Unser Problem liegt eher auf internationaler Ebene, wo dem WSF einfach mehr Ressourcen zur Verfügung stehen. Unser Ziel ist letztendlich die Schaffung eines antiimperialistischen Pols nicht gegen die Antiglobalisierungsbewegung, sondern innerhalb derselben. Wir streben den Dialog an, ohne unsere politische Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit aufzugeben.

Die USA üben vielfältigen Druck auf Indien aus Truppen in den Irak zu schicken. Halten Sie eine indische Beteiligung an der Besatzung für möglich?

Tatsächlich haben sich die Beziehungen Indiens mit den USA und auch mit Israel in den letzten Jahren intensiviert. Das geht sehr stark auf die BJP-Regierung zurück, die eine dem Zionismus ähnliche brahmanische Ideologie vertritt. Doch selbst in der herrschenden Klasse gibt es Opposition gegen eine Truppenentsendung, ganz zu schweigen von den zu erwartenden Massenprotesten. Niemand außerhalb der Elite will, dass Indien sich im Dienste der USA an der Besatzung des Iraks beteiligt, noch dass dafür indische Soldaten ihr Leben lassen müssen. Es wird für die Regierung jedenfalls sehr schwer werden und daher zögert sie.

Premier Vajpayee hat jedoch den amerikanischen „Krieg gegen den Terror“ in ihrem Sinn zu nutzen gewusst?

Die Bundesregierung hat nach dem 11. September POTA, drakonische Anti-Terror-Gesetze, beschlossen. Indien war gegen der revolutionären Bewegung immer repressiv – doch oft in Verletzung der Gesetze. Mit POTA werden die demokratischen Grundrechte nun nicht mehr allein de facto, sondern auch de jure mit Füssen getreten. Rund ein dutzend linker Organisationen wurden als terroristisch erklärt und verboten. Wem vorgeworfen wird, Terroristen Schutz oder Unterschlupf zu gewähren, riskiert hinter Gitter zu wandern. Damit ist der Willkür Tür und Tor geöffnet. Selbst moderate Menschenrechtsaktivisten sind POTA schon zum Opfer gefallen.

Welche Aktionen werden von MR2004 ins Auge gefasst?

Zum Abschluss der Konferenz gibt es am 21. Januar eine Demonstration gegen den präventiven Krieg der USA. Wir erwarten, dass mehrere 10.000 zum US-Konsulat marschieren werden. Darüber hinaus werden verschiedene internationale Aktionen gegen die Besatzung des Iraks und Palästinas, sowie zur Unterstützung des Widerstands diskutiert und beschlossen werden.

Franz Dinhobel, Amsterdam