Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 9 November 2003

Jotas lange Rückkehr nach Chile

Pinochets langer Arm


Zehn Jahre nach dem blutigen pro-amerikanischen Militärputsch gegen die demokratische Regierung Allende 1983 organisiert der chilenische Widerstand ein Attentat auf den Armeegeneral Urzúa, der dabei getötet wird. Als Urheber des Anschlages wird das Kommando Miguel Enriquez der Bewegung der Revolutionären Linken (MIR) festgemacht. Einer der daraufhin von Pinochets Geheimpolizei DINA-CNI verfolgten MIR-Aktivisten ist Jaime Yovanovic Prieto. Prieto flüchtet in die apostolische Nuntiatur in Santiago und fordert sein Recht auf Exil als politisch Verfolgter. Wissend, dass Prieto in Sicherheit ist, erzählt einer der Verhafteten des Kommandos, Jorge Palma, zum Schutz anderer Militanter auf der Flucht, der Polizei, dass Prieto an dem Anschlag beteiligt war. Palma bestätigte jedoch nach dem Ende der Diktatur mehrmals öffentlich, dass Prieto nicht Teil des Kommandos war und sein Name nur unter Folter und zum Schutz anderer Widerstandskämpfer gefallen ist. Der von der Militärdiktatur über INTERPOL beantragte internationale Haftbefehl gegen Prieto und seine militärgerichtliche Verurteilung in Chile wird dennoch nicht fallengelassen.
Jaime geht zuerst nach Kuba, wo er Rechtswissenschaften studiert. Danach lässt er sich in Brasilien nieder und gründet die Lateinamerikanische Koordination der Sozialwissenschaftler und Juristen für eine demokratische Volksalternative (CLAJADEP). 2001 kommt Jaime, der sich zumeist Professor Jota nennt, zum ersten mal zum Antiimperialistischen Sommerlager nach Italien. Prompt wird er von den italienischen Behörden nach seiner Abreise vom Camp verhaftet und abgeschoben. Persona non grata – gerade zu einer Zeit wo Pinochet nach einigen Monaten Hausarrest in England wegen Verdachtes auf Völkermorde wieder nach Chile zurückreist. Jaimes Situation in Brasilien erschwert sich zunehmend. Seine radikale Positionierung und Kritik auch an der Arbeiterpartei, die auf Kosten aller sozialen Ansprüche nach der Regierungsmacht strebt, sowie die Verhaftung von MIR-Aktivisten in Brasilien, die an internationalistischen Guerillaoperationen in Peru teilgenommen hatten, zwingt Jota das Land Richtung Bolivien zu verlassen. Dort arbeitet er einige Monate als Berater von Evo Morales und der Kokabauernbewegung. Dann entschließt er sich aus Sicherheitsgründen Lateinamerika zu verlassen und flüchtete nach Mosambik. Wissend, dass er sich durch die weiter bestehende Verfolgung aufgrund des internationalen Haftbefehls nirgends sicher sein kann, beschließt Jaime den „demokratischen Westen“ mit diesem Skandal der Verfolgung des antifaschistischen chilenischen Widerstandes bei gleichzeitiger Straflosigkeit von Pinochet direkt zu konfrontieren. Er reist im Sommer 2002 auf das Antiimperialistische Sommerlager in Assisi. Nach einer beispiellosen Hetzkampagne der Presse („Internationaler Lehrmeister des Terrorismus zurück in Italien“) stürmt die Polizei das Lager. Jota flüchtete sich in die Abtei von Assisi und stellte vor der Presse seinen Antrag auf Asyl. In Verletzung aller internationalen und demokratischen Normen verhaftete die italienische politische Polizei DIGOS Jota in der Franziskanerabtei und schob ihn nach Südafrika ab. Dort wurde er am Flughafen festgenommen und ein Monat in Haft gehalten. Durch eine internationale Kampagne der Antiimperialistischen Koordination muss Jota, gegen den kein Grund für Verhaftung vorlag und dessen von der chilenischen Militärjustiz beantragte Auslieferung von der südafrikanischen Regierung abgelehnt wurde, freigelassen werden. Seine Situation in Südafrika ist jedoch prekär, da er keine offizielle Aufenthaltsgenehmigung hat und damit auch kein Recht auf legale Arbeit.
Im August dieses Jahres schließlich kehrt Jota nach Chile zurück und stellte sich den Behörden. Die internationale Aufmerksamkeit auf seinen Fall sowie die von der sozialdemokratischen Regierung Lagos gepredigte Versöhnung, ja sogar teilweise Bezugnahme auf die Regierung Allende zum 30. Jahr seines Sturzes, ließen die Chancen auf eine endgültiges Fallenlassen der Anklage gegen Prieto wahrscheinlich erscheinen. Tatsächlich wird Jota am 17. Oktober auf freien Fuß gesetzt, ein Ende der jahrzehntelangen Verfolgung scheint nun endlich möglich. „Dieses Unrecht hat ein Ende und ich werde weiterhin unbequem bleiben“, so Jota in seiner trotz der langen Flucht immer lebensfrohen Art in einem Brief an die österreichische Antiimperialistische Koordination nach seiner vorläufigen Freilassung.