Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
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Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 8 September 2003

Editorial


Editorial

Die Politik schreibt ihre eigenen Drehbücher. Arnold Schwarzeneggers Karriere verlief wie im Film und wird mit seinem Einzug in die Politik einen filmreifen Höhepunkt erleben. Ebenso wie der Schauspieler Ronald Reagan tritt er zur Wahl des Gouverneurs von Kalifornien an, ebenso wie Reagan hat er davor nur mindere Rollen spielen dürfen. Aber Arnie wurde im Gegensatz zu Ronnie durch seine Filmauftritte einer der bekanntesten Schauspieler der Welt (Reagan aber immerhin einer der bekanntesten schauspielenden amerikanischen Präsidenten: Unvergessen seine spaßhafte Erklärung an die Sowjetunion, er würde in fünf Minuten mit der Bombardierung beginnen). Reagan hat sich jahrelang in der republikanischen Partei hocharbeiten müssen, Schwarzenegger genügten die üblichen PR-Auftritte für Präsidentschaftskandidaten, eine Amtsperiode als Sportminister und Frontbesuche im Irak, um als medial für ernsthaft befundener Kandidat ins Rennen zu gehen.
Wie ernst allerdings seine Chancen wirklich sind, die Nachfolge des Demokraten Gray Davis als Gouverneur anzutreten, konnten die Meinungsforscher bis vor Niederschrift dieses Editorials kaum feststellen. Denn immerhin treten insgesamt 135 Kandidaten zur Wahl in Kalifornien an und Arnie ist bei Weitem nicht die einzige unterhaltsame Figur auf der Liste –Pornoverleger Larry Flynt kandidiert für die Demokraten. Schwarzenegger gilt hingegen als „liberaler Republikaner“, das werden zumindest österreichische Medien nicht müde zu beteuern, aber das galt schon für den letzten republikanischen Gouverneur von Kalifornien, Pete Wilson, der sich durch besonderen Hass auf die (mehrheitlich) lateinamerikanischen Immigranten auszeichnete. Ebenso wie Wilson unterstützte Schwarzenegger die „Proposition 187“, eine Verordnung, die illegale Einwanderern Zugang zu Sozialeinrichtungen verbieten sollte. Zwar stimmte das Wahlvolk für die rassistische Klausel, die Gerichte verhinderten aber, dass sie in Kraft treten konnte.
Arnie, selbst ein Einwanderer, der, wie der britische Guardian schrieb, so spricht, als wäre er „gerade erst mit den Austrian Airlines angekommen“, will nun als „Governator“ neue Initiativen zur Absicherung seines, des kalifornischen, amerikanischen Traums setzen, wie es die Proposition 187 eine war.
Für mehr reicht es nicht: Der Präsidentenstuhl ist ihm als Immigrant verwehrt, dazu bräuchte es schon eine Verfassungsänderung. Dabei würde Arnie, die lebensechte Verkörperung des amerikanischen Traumes, ganz gut aussehen als oberster Herr über Krieg und Frieden – ein Präsident wie ihn Roland Emmerich in dem Film „Independence Day“ vorführte, bereit, auch selber in den Flieger zu steigen, um die Schurken zu besiegen. Die Maschine hebt ab von der Traumfabrik auf der Suche nach der Massenvernichtungswaffenfabrik, Arnie im Cockpit, ein Einzeiler auf den Lippen, so sehen Sieger aus.

Im Irak sehen zur Zeit die Amerikaner aber gar nicht so aus, nachzulesen in dieser Ausgabe der bruchlinien. Die Politik schreibt nämlich nicht immer ihre eigenen Drehbücher. Darüber freuen wir uns diebisch.

Die bruchlinien-Redaktion