Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
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Nr. 13 November 2004
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Nr. 11 Mai 2004
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Nr. 9 November 2003
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Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
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Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Rezensionen

Ein kleines bisschen Terrorshow

Zum zweiten Mal jähren sich nun die Ereignisse vom 11. September 2001. Sehr viel wurde seither zu diesem bisher einzigartigen Ereignis gesagt und geschrieben. Doch von der Wahrheit fehlt seit 11/09/01 9:03 jede Spur.


„Kein Flugzeug traf das Pentagon“. So lautet der Untertitel zu dem Buch „Der inszenierte Terrorismus, Auftakt zum Weltenbrand“ des französischen Journalisten Thierry Meyssan. Auf den ersten Blick passt das Werk in die Reihe bereits erschienener Bücher, die sich mit den Ereignissen rund um den 11. September beschäftigen und zu dem Schluss kommen, dass die Flugzeugattentate durch eine groß angelegte Verschwörung organisiert wurden, deren Urheber von ihren Auswirkungen profitieren würden. Das Problem der meisten dieser Ausführungen ist, dass sie sehr schnell den Boden des Nachweisbaren verlassen und sich unweigerlich in teilweise sehr absurden Verschwörungstheorien verstricken. Meyssans Buch ist anders. Ausschließlich auf authentischen Interviews und nachlesbaren Dokumenten von offiziellen Stellen der USA, anderen Regierungen und Geheimdiensten basiert diese Zusammenstellung von Widersprüchen und offenen Fragen.

Lücken, Lügen und Pannen

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich vor allem mit Fragen, die sich die Welt schon lange stellt. Wie kann es sein, dass Mohammed Attas Pass in den Trümmern des World Trade Center gefunden wird, aber die Auswertung der Flugschreiber immer noch nicht veröffentlicht wurde? Warum scheinen die angeblichen Entführer nicht in den Passagierlisten auf und daran anknüpfend – wie kann es sein, dass sich einige von ihnen wenige Tage nach den Anschlägen bei Zeitungen und beim FBI meldeten, um sich über die üble Nachrede zu beschweren? Wie konnten die mutmaßlichen Piloten nach einer kurzen und eher mangelhaften Ausbildung die schwer zu treffenden Türme des WTC derart genau in der Mitte treffen, ohne Helfer im World Trade Center zu haben, die ein Peilsignal sendeten, auf das die Flugzeuge zusteuerten? Wo sind die Flugzeugteile aus dem Pentagon verblieben und wo sind jene vom vierten Flugzeug, das in Pennsylvania niederging? Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Auf manches sind Antworten zu finden, allerdings stößt Meyssan bei seinen Nachforschungen auch auf Ungereimtheiten und widersprüchlichen Aussagen von offizieller Seite.

Operation Northwoods

Seine eigentliche Argumentationslinie geht davon aus, dass die Ereignisse von 11. September als Putsch einer Minderheit in der US-Verwaltung zu interpretieren sind. Soweit nichts Neues im Verschwörungsuniversum – allerdings belegt er die Fähigkeit und auch den Willen von Teilen des Militärs bis zum Äußersten zu gehen und auch eigene Bürger zu opfern, um einen nach außen vertretbaren Kriegsgrund zu erhalten. Unter der Clinton Administration wurden die Dokumente zur geplanten Operation Northwoods (1) veröffentlicht, die 1962 unter strengster Geheimhaltung von General Lemnitzer entwickelt und dann von John F. Kennedy abgelehnt worden war. Diese Operation sah verschiedenste Formen von Terroraktionen auf US-Boden und diversen Außenstellen wie zum Beispiel Guantánamo vor. So sollten zum Beispiel in Washington Sprengsätze gezündet werden, die sich gegen Regierungseinrichtungen gerichtet hätten. Weiters wurden Angriffe auf Exilkubaner in Florida vorbereitet. All diese Aktionen sollten von einer massiven Desinformationskampagne flankiert werden, vor allem in den Nachbarländern Kubas, die das enorme Bedrohungspotential Kubas zum Inhalt haben sollte. Dem noch nicht genug, geht aus den Dokumenten hervor, dass der CIA bereits damals in der Lage war Drohnen (unbemannte Flugzeuge) von Passagiermaschinen herzustellen. Auch eine konkrete Anwendung für diese Drohnen wurde skizziert. Ein Passagierflugzeug, in dem angeheuerte Passagiere sitzen sollten, würde durch eine dieser Drohnen ersetzt und diese dann zum Absturz gebracht werden. Die bezahlten Passagiere müssten dann natürlich offiziell für tot erklärt werden – der CIA hätte das Leben danach arrangiert. Offiziell sollte dann verlautbart werden, dass kubanische Flugzeuge in den US-Luftraum eingedrungen sind und dieses Passagierflugzeug zum Absturz gebracht hätten. Damit sollte für die Welt klar sein, dass jede Attacke der USA auf Kuba als Notwehr zu verstehen sei.

Die Analogien zum aktuellen „Krieg gegen den Terror“ sind ohne Zweifel sehr groß. Trotzdem behauptet der Autor nicht die Wahrheit gefunden zu haben, sondern ruft dazu auf, insbesondere in Anbetracht des massiven Abbaus der Demokratie und der Pressefreiheit in den USA, auch in Hinkunft die Darstellungen der US-Behörden sehr kritisch zu hinterfragen.

Robert Fisch

(1) Fotografien der Originalen Dokumente sind im Buch enthalten

Thierry Meyssan, 11. September 2001 – Der Inszenierte Terrorismus, Editio de facto, 2002