Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
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Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
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Nr. 16 November 2005
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Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 8 September 2003

Charles Taylor – ein afrikanisches Schicksal

Aufstieg und Fall eines US-Schützlings


Charles Taylor, seit 1997 rechtmäßiger Präsident Liberias, hat am 11. August auf Druck der internationalen Gemeinschaft, sprich der USA, das Land verlassen. Nigeria gewährt ihm, der vom UN-Sondergericht für Sierra Leone der Beihilfe in Menschenrechtsverletzungen angeklagt ist, Exil. Die USA bezeichneten Taylors Rücktritt und Exil als Vorraussetzung für die Entsendung einer Schutztruppe, die nicht zuletzt von Taylor selbst eingefordert worden war. Das amerikanische Zögern erklärt sich in erster Linie daraus, dass für die USA Liberia – im Gegensatz zum Irak und Afghanistan weder wirtschaftlich noch strategisch von Bedeutung ist. Die Wahlen im kommenden Jahr und der damit verbundene Erfolgsdruck auf diplomatischer Ebene sind wohl die Hauptgründe für den späten Entschluss der USA, doch eigene Truppen zu entsenden. Daneben kann man darin auch den Wunsch erkennen, nach der Eiszeit während des Irakkrieges wieder auf Versöhnungskurs gegenüber der UNO und Frankreich zu schalten.
Doch Vorraussetzung und offensichtlich Hauptanliegen der USA war die Entmachtung ihres ehemaligen Schützlings. Tatsächlich lancierte Charles Taylor 1989 mit Unterstützung der USA eine Rebellion gegen den damaligen liberianischen Präsidenten Samuel Doe. Aus ungeklärten Gründen verlor er im Laufe der folgenden Jahre das Wohlwollen der Supermacht. Er selbst hüllte sich über die Ursachen in Schweigen. Beobachter vermuten, dass der Hinauswurf israelischer Kommandos aus Liberia der Stein des Anstoßes gewesen sein könnte (1). So sehr Taylor sich auch bemühte, die Gunst seiner ehemaligen Schutzherren zurückzugewinnen, es war umsonst. Die Unterstützung Taylors für die ivorianischen Rebellen im Bürgerkrieg 2002, die ihrerseits von den USA finanziert waren, wird als ein solcher Annäherungsversuch betrachtet. Allein, er blieb ohne Erfolg. Im Gegenteil, die wichtigste liberianische Rebellengruppe LURD (Liberians United for Reconciliation and Democracy) wird von den USA finanziert und ausgebildet.
Eine gewichtige Rolle bei Taylors Entthronung spielte das UN-Gericht für Sierra Leone. Es erhob am 4. Juni Anklage gegen den rechtmäßigen Präsidenten Liberias. (Taylor hatte die Wahlen im Jahr 1997 überlegen gewonnen. Die UNO erkannte das Wahlergebnis als rechtmäßig an.) Diese Anklage bezeichnen Kenner der Situation als unnötige Verlängerung des Bürgerkrieges. Tatsächlich kam sie gerade als die Friedensverhandlungen in ihre entscheidende Phase zu gehen schien. Grund dafür scheint wiederum westlicher Handlungsbedarf gewesen zu sein: Im Oktober hätten in Liberia Wahlen stattgefunden, die Taylor aller Vorrausicht nach gewonnen hätte. Um das zu verhindern, musste der Bürgerkrieg so lange weitergehen, bis Taylor ins Exil gezwungen werden konnte.

Margarethe Berger

(1) New African, August/September 2003