Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 7 Mai 2003

Irak und Vietnam - Wenig Parallelen

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1. Im Gegensatz zu den technisch hoffnungslos unterlegenen irakischen Streitkräften, war die Armee der Volksrepublik Vietnam nicht nur umfangreicher (Mitte der 70er Jahre die fünftgrößte Armee der Welt), sondern auch hervorragend ausgerüstet. Zu Beginn des Konfliktes war die Bewaffnung der amerikanischen leichten Infanterie den nordvietnamesischen Streitkräften und der FLN unterlegen. Beginnend mit 1966 verfügte die Luftwaffe der Volksrepublik über insgesamt 200 MIG 21 sowjetischer Fabrikation, damals das beste Kampfflugzeug der Welt, dazu über eine hervorragende Luftabwehr. Diese wenigen Beispiele sollen nur verdeutlichen, dass die USA zu dieser Zeit nur in wenigen Bereichen (etwa radargesteuerte Luft-Luft Raketen) über eine technologische Überlegenheit gegenüber ihrem Gegner verfügten. Im Gegensatz dazu waren die hochfliegenden US-Jagdbomber für die irakische Luftabwehr kaum erreichbar, und wegen ihrer Präzisionswaffen dennoch in der Lage, bekannte Ziele zu zerstören. Eine relativ geringe Zahl moderner russischer Panzerabwehrraketen war fast die einzige Möglichkeit der irakischen Armee, die amerikanischen Kampfpanzer zu zerstören.

2. All das hängt unmittelbar damit zusammen, dass Vietnam Zugang zu modernen sowjetischen und (anfangs) chinesischen Waffen hatte, während der Irak der US-amerikanischen Militärmaschinerie völlig isoliert entgegenstand. Die Auswirkungen dessen betreffen aber nicht nur die Militärtechnologie – aus Angst vor einer sowjetischen Intervention beschränkten sich die USA auf Luftangriffe gegen Nordvietnam (die damals weit weniger effektiv als heute waren). Eine Besetzung Hanois war aus politischen Gründen nicht möglich. Aus diesem Grund war es den USA kaum möglich, die strategische Initiative zu ergreifen. Das Herz des vietnamesischen Widerstandes war außer Reichweite. Auch heute wäre es eine langwierige und schwierige Aufgabe für die amerikanischen Streitkräfte beispielsweise den Südirak unter vollständige Kontrolle zu bekommen, wenn die Möglichkeit Bagdad zu besetzen nicht existiert.

3. Der baumlose Irak ist ein denkbar schlechtes Terrain um der totalen amerikanischen Luftüberlegenheit entgegenzutreten sowie Panzerverbände zu bekämpfen, gegen die man kaum über Defensivwaffen verfügt. Auch die Präzisionswaffen der USA benötigen aufgeklärte und bekannte Ziele. In besserem Terrain hat die JNA (Jugoslawische Volksarmee) in 78 Tagen Bombardement nur zwölf Panzerwagen verloren.

4. Die Nationalen Befreiungskräfte Vietnams waren nicht nur gut bewaffnet, sondern auch ausgezeichnet geführt, waren in der Lage, ihre Kämpfer auf einen lang andauernden Krieg einzustellen und unterschiedliche Formen der Kriegsführung einzusetzen. (Vietnam führte keinen ausschließlichen Guerillakrieg. Gerade in den entscheidenden Phasen des Krieges, in etwa der Tet-Offensive 1968, oder in der Schlussoffensive 1975 wurde vor allem konventionell gekämpft). Die Mobilisierung der Bevölkerung konnte in sinnvoller Form in die Gesamtanstrengungen integriert werden. Dagegen verkündete die irakische Führung ununterbrochen einen bevorstehenden Sieg, um schließlich selbst die Flucht zu ergreifen. Für eine flexible Form der Truppenführung war das Regime zu zentralistisch, für ein echtes Einbinden der Bevölkerung zu autoritär. Die vernünftige Zurücknahme der Truppen in die Städte dürfte erfolgt sein, systematische Guerillaoperationen gegen die alliierten Nachschublinien konnten aber nicht ausreichend entwickelt werden. Es gelang somit niemals den Invasionstruppen die strategische und taktische Initiative aus der Hand zu nehmen, der Krieg wurde ausschließlich aus der Defensive geführt.

Stefan Hirsch