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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

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 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 7 Mai 2003

Chemonuklearer Angriff auf den Irak

Irakisches Territorium wird für immer verseucht bleiben.


Bereits Mitte März drohten US-Militärs mit dem künftigen Einsatz von Waffen aus abgereichertem Uran (depleted uranium, DU). Diese Art der Kriegsführung hat in Bosnien und im Irak unzählige entstellte und verkrüppelte Kinder zur Folge gehabt.

„Das ist eine Waffe, die wir auch in Zukunft verwenden werden, wenn es nötig sein wird, gepanzerte Fahrzeuge anzugreifen“, sagte der US-Gesundheitsbeauftragte für die Golfkriegsveteranen, Dr. Michael Kilpatrick, auf einer Pressekonferenz im Pentagon (1). Das russische Militär, das sich eng mit dem Irakkrieg befasst, wird noch deutlicher: „Es besteht kein Zweifel, dass die Vereinigten Staaten Nuklearwaffen einsetzen werden, die bereits an US-Militärstützpunkte in Kuwait überstellt wurden,“ meint Generaloberst Leonid Iwaschow, Vizepräsident der Geopolitischen Akademie in Moskau (2). Iwaschow zufolge würde DU dann zum Einsatz gelangen, wenn die Streitkräfte der Alliierten bei Bodenoperationen auf starken Widerstand stoßen. Die Vereinigten Staaten hätten erst vor kurzem intensiv an der Weiterentwicklung panzerbrechender nuklearer Geschosse gearbeitet, ähnlich wie kurz vor dem Krieg gegen Jugoslawien. Auch die Los Angeles Times hatte berichtet, das Pentagon würde Kernwaffen einsetzen, um unterirdische Bunker zu zerstören. (3) „Kollateralschäden“ waren also, speziell beim Einsatz von DU-Waffen, wie beim Überfall auf den Irak vor 12 Jahren, abzusehen. Die Prophezeiungen Iwaschows haben sich bewahrheitet. Die - mit den Worten des Generals Gallois - chemonukleare Kriegsführung ist im Krieg gegen fünf irakische Städte eingesetzt worden. Das hat Ende März der irakische Botschafter in Pakistan, Dr. K. A. Rawi bekanntgegeben. „Tagtäglich beschießen die Alliierten die Iraker mit abgereichertem Uran. Diese tödliche Waffe besteht aus chemisch toxischem nuklearem Abfall“, erklärte Rawi gegenüber der pakistanischen Tageszeitung The Nation. In Bagdad, Basra, Najaf, Nasiriya, Mosul und in der Umgebung der größeren Städte ist DU zum Einsatz gelangt. Ziel waren insbesondere die Republikanischen Garden und Zivilisten, die harten Widerstand leisteten (4). Reuters berichtet schließlich am 2. April, der Einsatz von DU-Waffen sei auch von amerikanischer Seite bestätigt wurden. Bei Najaf hat ein Reuters-Korrespondent beobachtet, wie sich ein A-10 Warthog im Tiefflug über der Stadt befand und kurz darauf das Feuer auf die Fedayin-Milizen eröffnete. Reuters zufolge hätte seitens des Heeres verlautet, dass bei der Aktion Apache-Hubschrauber zum Einsatz gelangten und vermutete Stellungen der Fedayin mit DU-Projektilen vom Kaliber 30mm beschossen worden. Die Stadt war ein Zentrum des Widerstands der Fedayin-Milizen. „Unser Ziel ist es, die Fedayin-Einheiten zu zerstören sowie jeden, der versucht, unsere Kommunikationslinien zu unterbrechen. ... Wir werden sie zerstören.“ sagte Chris Holden von der 101. Luftlandeeinheit (5). Dana Lewis kam als „eingebetteter“ Heeresjournalist zusammen mit der 101. Luftlandedivision nach Al-Kifl am Euphrat, etwa 160 km südwestlich von Bagdad und berichtete auftragsgemäß. Dort wurde die „irreguläre Kriegsführung“ der Irakis mit aller Brutalität gekontert. Lewis schreibt: Gleich zu Beginn wurden zwei 120-mm-Hochgeschwindigkeitsgeschoße aus abgereichertem Uran losgefeuert, durch das entstehende Vakuum wurden die Guerillakämpfer aus ihren Verstecken auf die Hauptstraße geradezu hinausgesaugt, dort entweder mit Handfeuerwaffen niedergeschossen und/oder einfach von Panzern überfahren.. Dem konnte die bewegliche Taktik der Iraker nicht allzu viel entgegensetzen, wenn auch der Vormarsch der Invasoren vorübergehend zurückgehalten werden konnte. Die irakischen Kämpfer, die sich in Kleintransportern, LKWs, Autos, aber auch Booten (deren Besatzung die Brücke zu verminen hatte) befanden, wurden auf schreckliche Weise dezimiert. Die Szenen der DU-Kriegsführung ähneln denen des zweiten Golfkriegs. Ein Konzentrat des US-amerikanischen Weltbilds findet sich in folgenden Sätzen: „Am Samstag säumten noch Dutzende Leichen die Straßen. Einige waren in blaue und schwarze Säcke verpackt, andere lagen noch im Freien und verfaulten in der Mittagssonne. Einige quollen aus ihren verkohlten und verwüsteten Autos heraus, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.“ (6)
„Im Wüstenstaub ist der Tod verborgen“, sagt Dr. Jawed Al-Ali, Krebsforscher und Mitglied der britischen Royal Society of Physicians. „Aus unseren Studien geht hervor, dass mehr als 40 Prozent der Bevölkerung im Raum Basra an Krebs erkranken werden.“ (7)
Ian Willmore von Friends of the Earth in London berichtete IPS: „Ein Spital in Bagdad berichtet, dass allein dort in der letzten Zeit 8 Kinder ohne Augen zur Welt gekommen sind. Die durchschnittliche Erkrankungsrate ist 1 zu 50 Millionen.“ (8)

„Abgereichertes Uran hat eine Halbwertzeit von mehr als 4 Milliarden Jahren. Das ist etwa so lang wie das Alter der Erde überhaupt. Tausende Quadratkilometer sind am Balkan, in Kuwait und im südlichen Irak für immer vergiftet worden. Wenn George Bush senior, Dick Cheney, Colin Powell und Bill Clinton auf ein Vermächtnis Wert legen sollten, dann wird es ein schreckliches sein, eines, das für alle Ewigkeit bleiben wird.“ (7)

In den Vereinigten Staaten gibt es bereits gutorganisierten Widerstand gegen den weltgrößten Hersteller von Munition aus abgereichertem Uran, Alliant Techsystems. Die Zentrale dieser Firma befindet sich in Edina, Minnesota. Dort fand am 2. April eine Protestkundgebung und Mahnwache statt, an der mehrere hundert Menschen teilnahmen. (9)


Aug und Ohr Gegeninformationsinitiative


(1) Reuters, zit. nach CADU (Campaign Against Depleted Uranium, www.cadu.org.uk/), 19. 3. 2003
(2) RBC.ru, 19. 3. 2003
(3) Richard T. Cooper: Making Nuclear Bombs „Usable”, Los Angeles Times, 3. 2. 2003
(4) Javed Rana: Depleted uranium bombs used in 5 cities, The Nation (Pakistan), 30. 3. 2003; vgl. auch: Deepika (Indien), 31. 3. 2003 Hervorhebung von AuO.
(5) ABC News, 2.4. 2003
(6) Dana Lewis, NBC, 31. 3. 2003
(7) Alexander Cockburn & Jeffrey St. Clair: Du, Cancer as a Weapon – Radioactive War, Counterpunch, 5. 2. 2001
(8) IPS, 1. 4. 2003
(9) DU-Watch, 31. 3. 2003