Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 7 Mai 2003

Gefahr von rechts?

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Zwar ist der Alt- und Neufaschismus angesichts des alles dominierenden Liberalismus eine Marginalie, doch werden vor allem in den älteren Bevölkerungsteilen revanchistische Stimmungen tradiert. In ähnlicher Weise ist der Antisemitismus als Altbestand präsent. In Österreich haben kryptofaschistische Ideologen über die Boulevard-Zeitungen die Möglichkeit, Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen.
Ein nicht zu unterschätzender moderner Faktor, der dieser Strömung Nahrung zuführt, ist der richtiggehende Missbrauch am antifaschistischen Erbe für die Legitimation des Linksliberalismus und Amerikanismus, der dessen Opfer und Gegner dazu verleitet, revanchistischen Ideen ein offenes Ohr zu leihen.
Doch ist die durchgängige Ablehnung des deutschnationalen Revanchismus durch die herrschende Klasse und ihren zivilgesellschaftlichen Apparat festgeschrieben – beim proeuropäischen Liberalismus oft noch mehr als beim konservativ-proamerikanischen.
In den Unter- und Mittelschichten ist der Deutschnationalismus unpopulär, während es einen weitverbreiteten demokratisch-antifaschistischen Konsens gibt. Jörg Haider hat das verstanden und versteckt seine einschlägige Vergangenheit. Der Antiamerikanismus wird mehrheitlich sozial, demokratisch und antiliberal aufgeladen und keineswegs faschistisch, soviel die Boulevard-Zeitungen dafür auch schreiben mögen. Analog dazu richtet sich der moderne Chauvinismus nicht mehr so sehr gegen Juden, sondern gegen Arbeitsimmigranten, heute insbesondere gegen Moslems und Araber.
Zusammengefasst besteht also aus zwei Gründen keine reale Gefahr in der antiamerikanisch-revanchistischen Strömung: Einerseits wird sie von der Bourgeoisie grundlegend abgelehnt und ist daher von der Macht ausgeschlossen und andererseits ist zumindest die Altnazirhetorik für die Massenstimmung – bis auf wenige regionale Ausnahmen – ungeeignet.
Die Gefahr für antiimperialistische Kräfte besteht also vor allem darin, das Feld des Antiamerikanismus modernen neorevanchistischen Kräften zu überlassen, die sich von ihrem ideologischen Ballast befreien, Wege finden den antiliberalen Unmut aufzugreifen und sich als radikale antagonistische Bewegung darstellen.
Im Grunde haben die antiimperialistischen und antikapitalistischen Kräfte die besseren Karten den entstehenden Antiamerikanismus in ihre Richtung zu kanalisieren. Dazu bedarf es des völligen und vollständigen Bruches mit der im Liberalismus verwandelten Linken.

Willi Langthaler