Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 6 März 2003

„Die Unterstützung der Kommunistischen Partei des Irak für das Embargo ist ein Verbrechen“

Autorisiertes Interview mit Ahmad Karim, Vorsitzender der Nationalen Demokratisch-Kommunistischen Bewegung, die 2001 gegründet wurde. Karim ist kurdischer Herkunft und seit 1954 Mitglied der Irakischen Kommunistischen Partei (IKP). Er war jahrzehntelang Vertreter der Partei in Osteuropa und leitete ihre Rundfunkstationen.


Wie würden Sie die Irakische Kommunistische Partei heute charakterisieren?

Die IKP ist eine opportunistische Partei, die indirekt dem Imperialismus hilft. Ihre Führung hat die Seite gewechselt und unterstützt den Krieg, um Saddam zu stürzen. Dennoch kann man nicht sagen, dass sie sich in eine völlig reaktionäre Kraft verwandelt hat. Die Führung kann die Mitgliedschaft nicht anleiten. Sie existieren als Partei nicht, sie leben nicht im Land, sondern im Ausland oder in Kurdistan. Im Irak haben sie keine Aktivitäten, sie schlafen einfach. Wenn wir zurückkehren, müssen wir eine Konferenz einberufen um eine neue Führung zu wählen, die wirklich alle Tendenzen in der Partei vertritt.

Warum glauben Sie, dass sich diese Partei, die das Embargo über zehn Jahre lang unterstützt hat, reformieren lässt?

Drei große Verbrechen hat sie begangen. Erstens das Embargo, zweitens die Unterstützung für den Iran im Krieg, und drittens die Zerstörung der Partei. Trotzdem glaube ich, dass man die Partei wieder herstellen und eine neue Führung aufbauen kann.

Wie hat sich Ihre Opposition entwickelt?

1986 gab es eine Menge Kritik in der Parteibasis und wir gründeten die Zeitung al-Manber (Die Tribüne). Die Opposition bezog sich auf die unklare Haltung der Führung im Krieg mit dem Iran. Ursprünglich herrschte Übereinstimmung, wir waren alle gegen den Krieg, den wir als eine Aggression betrachteten, die die USA angezettelt hatte und die sich gegen ein Volk richtete, mit dem wir Freundschaft suchen. Wir riefen beide Seiten dazu auf, den Krieg zu beenden. Doch sobald iranische Truppen auf irakisches Territorium vorrückten, passten wir unsere Position an. Wir mussten unser Land verteidigen, da es von ausländischen Truppen besetzt war. Wir fragten Hamid Musa, der heute Erster Sekretär ist, wie er das reaktionäre Khomeini-Regime unterstützen konnte. Sie glaubten, die Iraner würden Saddam stürzen, doch er stellte sich als der Stärkere heraus. Ich erinnere mich, dass ein Mitglied des Zentralkomitees sagte, dass wir die Besetzung Saddam vorziehen müssten. Das gleiche Herangehen zeigen sie nun gegenüber den Amerikanern. Sie haben völlig vergessen, was koloniale Besatzung für unser Volk vor fünfzig Jahren bedeutet hatte.
1991, während der amerikanischen Aggression, verschwand al-Manber jedoch, viele Redakteure passten sich der neuen Situation an, wurden immer opportunistischer – und manche wurden auch sehr reich.

Hat Ihre oppositionelle Bewegung irgendetwas mit der Spaltung der IKP von 1967 zu tun?

Nein, die Gruppe um Aziz al-Hadsch wurde völlig ausgelöscht. Um diese Spaltung zu verstehen, muss man bis 1963 zurückgehen. Nach dem ba’thistischen Putsch wurde die Parteiführung umgebracht und seitdem schwankte die Partei. Die führende Gruppe im Zentralkomitee sprach sich seit 1964 für ein Zusammengehen mit Arif aus, wir hingegen wollten die Machtübernahme vorbereiten. Wir unterwanderten den Staatsapparat, die Medien, die Armee und selbst die Republikanischen Garden. Die Ba’th-Partei machte übrigens das Gleiche. Wir wollten die Parteiführung übernehmen, doch eine Spaltung vermeiden. Als wir von diesem Schritt von Aziz al-Hadsch erfuhren, waren wir überrascht. Die Opposition genoss ursprünglich breite Unterstützung, doch Aziz wurde als der Schwächste in der Führung der Opposition angesehen. Er hatte im Gefängnis einen schlechten Ruf erworben. Die Unterstützung schwand bald. Er ging in die Sümpfe im Süden und begann den bewaffneten Kampf. Dieses Gebiet ist aber nicht für Guerillakrieg geeignet, da man mit Hubschraubern leicht aufzuspüren ist. Viele Genossen verloren ihr Leben. Aziz wurde 1968 gefangen genommen. Er verriet seine Genossen und wurde von Saddam sogar freigelassen.

Wie stark war der chinesische Einfluss auf die Bewegung von Aziz al-Hadsch?

China versuchte Einfluss zu gewinnen. Sie luden Kader nach China ein, boten Unterstützung an usw. Es gab einige Sympathie, aber es gab nie eine offene pro-chinesische Tendenz in der IKP.

Lassen Sie uns bis 1959 zurückgehen. Es heißt, dass die kommunistische Bewegung zwischen den Ereignissen in Mosul im März und in Kirkuk im Juli ihren Höhepunkt hatte. Selbst die schlimmsten Feinde der IKP sagen, dass die Partei damals die Stärke gehabt hätte, die Macht zu übernehmen.

Ich erinnere mich an den Ersten Mai damals: Millionen waren auf den Straßen. Die Demonstrationen begannen am Morgen und am späten Nachmittag war der Zug noch nicht vorüber. Im Zentralkomitee gab es zwei Flügel. Einerseits der um den Ersten Sekretär Salam Adil, der dagegen war, die Macht zu übernehmen; andererseits das Militärkomitee, das dafür eintrat, die Macht mit Waffengewalt zu übernehmen. Erst später erfuhr ich, dass Moskau gegen einen Militärputsch intervenierte. Rückblickend war die russische Intervention entscheidend für die Linie der Partei.

Was denken Sie über die Nationale Front in den 70er-Jahren und über ihr Ende?

Die Nationale Front war die beste Zeit der IKP. Saddam trägt die Verantwortung für den Bruch. Doch wir reagierten falsch. Als Saddam 1979 trotz gegenteiliger Versprechungen 43 Kommunisten henkte, war klar geworden, dass eine eindeutige Antwort erforderlich war. Doch die Partei veranlasste eine Art Massenflucht. Sie schloss alle Zeitungen, Büros, Massenorganisationen usw., und die führenden Kader verließen das Land. Es wäre notwendig gewesen, sich auf Arbeit im Untergrund vorzubereiten, doch wir stellten praktisch die Aktivitäten der Partei ein.

Was war Ihre Position zum Krieg mit Kuweit?

Ich unterstützte den Irak, denn Kuweit ist historisch ein Teil des Irak.

Wäre es möglich, dass die USA diese Kommunisten in eine Regierung nach Saddams Sturz aufnimmt?

Am Anfang nicht, aber vielleicht später.

Wie wird der Krieg verlaufen?

Eine ernsthafte Voraussage ist nicht möglich. Er könnte drei Tage, aber auch einen Monat oder länger dauern. Die USA werden jedenfalls große Probleme haben, wenn sie sich im Irak niederlassen.

Ist ein Bürgerkrieg möglich?

Ich glaube nicht, dass während der US-Aggression ein Bürgerkrieg ausbricht, da sich erstere gegen das ganze irakische Volk richtet – Araber, Kurden und alle anderen Gruppen.