Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 5 Jänner 2003

Der ORF im Vernichtungskrieg...

...und das Ende der österreichischen Afghanistanmission


Zur Rückkehr des Österreichischen Kontingents der „Internationalen Schutztruppe“ aus Kabul (70 Mann, darunter Teile des Jagdkommandos und technische Unterstützung), bringt der ORF eine Heldengeschichte. Reportage über den Frontheimkehrer Wachtmeister Leopold Moser, ein Kärntner aus Globasnitz. Der Mut der Österreicher wird gerühmt – schließlich begann ihr Einsatz noch bevor der „Vernichtungskrieg gegen das Terrornetzwerk“ beendet ist. Ihre Mission: das „zerstörte Land wieder aufzubauen“. Vielleicht kann man ja beim nächsten Vernichtungskrieg wieder von Anfang an mit dabei sein.
Die Musik ist einfühlsam, hübsche Frau und zweijähriges Töchterlein sollen den Menschen zeigen, den Menschen hinter dem uniformierten Helden, der sein Leben riskiert. Soldatenschicksal. Man fragt sich: Wann kommt endlich Lily Marleen im Hintergrund? Der Feind bleibt völlig anonym, wird zur Phosphorrakete, die 30 Meter vor dem Wachtmeister detoniert. Einzig Leopold Moser eignet sich nicht wirklich zur Heldengeschichte, wirkt beim Interview in Kabul mehr traumatisiert als entschlossen. Unter Beschuss fragt er sich „Scheiße, was mach´ ich hier“. Als ihn die deutsche Luftwaffe (auch deren Balkenkreuz hat schon einiges an „Vernichtungskrieg“ hinter sich) nach Schwechat fliegt und er von dem aufdringlich-freundlichen Reporter in wattierter Jacke auf seine Frau aufmerksam gemacht wird, ist der immer noch verstörte Mann zu allererst froh „dass alles vorbei ist.“ In Afghanistan war er, weil das „für einen Soldaten dazugehört.“ Die Frage drängt sich auf: Wozu hätte die Pflichterfüllung den deplazierten Kärntner in Todesangst noch getrieben, hätte ihn das Oberkommando nicht zurückgezogen?
Offiziell zieht sich das Bundesheer aus Kabul zurück, um sich für zusätzliche Aufgaben in Mazedonien vorzubereiten. Als der geplante Rückzug im Oktober das erste Mal öffentlich wurde, konnte man auch von Besorgnis ob der sich verschärfenden Sicherheitslage angesichts zunehmendem afghanischen Widerstands hören. Das Verteidigungsministerium scheint Tote bei Auslandseinsätzen noch vermeiden zu wollen. Wäre die Abschussvorrichtung der Phosphorrakete „nur einen Zentimeter höher“ eingestellt gewesen, der Airbus mit dem Balkenkreuz hätte Leopold Moser und seine Kameraden in Zinksärgen nach Schwechat fliegen können.

Alle Zitate aus „Thema“, ORF, 16.12.2002.