Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 4 November 2002

Perspektiven des Krieges

Das Kriegsziel der USA ist klar: die Beseitigung des baathistischen und die Einsetzung eines Marionettenregimes.


Letztendlich geht es ebenso darum, eine mögliche Achse Damaskus-Bagdad-Teheran zu verhindern und den Iran, den wichtigsten Opponenten in der Region, zu bedrohen, dem der Angriff als mächtiger Schuss vor den Bug gelten soll. Außerdem will man am Golf neben dem durch die inneren Spannungen zunehmend unsicheren Verbündeten Saudi-Arabien ein zweites Standbein errichten. Das Regime der Königsfamilie Saud hat sich durch seine proamerikanische Haltung sowie durch die nepotistische Verteilung der Ölrente zu sehr exponiert und könnte in den zu erwarteten Konflikten und Kriegen zerfallen.
Zwar scheint ein amerikanisch-britischer militärischer Sieg über den Baathismus angesichts des exorbitanten Kräftemissverhältnisses möglich oder gar wahrscheinlich. Eine ganz andere Frage ist allerdings die Einsetzung einer lebensfähigen Satrapenherrschaft. Da stehen die USA vor mehr als erheblichen Schwierigkeiten.
Die aus ihrer Sicht beste Lösung wäre eine massive Luftangriffe begleitende Kommandoaktion gegen Saddam Hussein und seine engste Umgebung und in der Folge ein von den USA orchestrierter Militärputsch, der dem baathistischen Staatsapparat einfach eine andere Spitze gibt. Doch diese Variante ist mit sehr vielen Unwägbarkeiten behaftet und wenig wahrscheinlich. Sobald der Staatsapparat unter dem Druck der Bombardements sich aufzulösen beginnt, kein zentrales Kommando mehr vorhanden sein wird, ist sie nicht mehr gangbar.
Es scheint um vieles wahrscheinlicher, dass die USA sich mit den lokalen bewaffneten Kräften der Opposition werden arrangieren müssen, die wiederum das politische Vakuum dazu benutzen werden, sich Machtpositionen zu sichern. Das gilt vor allem für die schiitische Führung, die auch 1991 zum Aufstand rief, denn die kurdischen Parteien haben ihre Einflusszonen bereits abgesteckt und erheben keinen Anspruch auf den gesamten Irak. In gewissem Sinn kann von einer Analogie mit Afghanistan gesprochen werden, wo die USA praktisch die Nordallianz an die Macht bombten. So wie sie in Afghanistan letztlich prorussische Kräfte stärkten, so werden sie im Irak die Verhältnisse zugunsten proiranischer Kräfte verschieben – was nicht in ihrem Sinn sein kann.
Eine dritte Möglichkeit ist die offene militärische Besetzung des Landes, die schließlich zur Installierung eines Königs oder einer ähnlichen Marionette, die sich sehr stark auf die amerikanische Militärmacht stützen muss, führen könnte. Doch dies würde einen gewaltigen militärischen Aufwand bedeuten, zu dem selbst den USA die Ressourcen fehlen. Bereits heute bezeichnen amerikanische Strategien die globale Entfaltung der US-Militärmacht als „overstretched”, das heißt als zu ausgedehnt. Ganz zu schweigen von den politisch-militärischen Gefahren, denn es könnte sehr schnell zu einem bewaffneten Volkswiderstand kommen.
Wie bereits in Jugoslawien und Afghanistan werden die USA ihre militärisch-politische Vorherrschaft mit dem Krieg verlängern können. Doch gleichzeitig werden sie die Widersprüche im globalen imperialistischen System, dessen Zentrum sie sind, nicht nur im Nahen Osten, sondern in der ganzen Welt vertiefen. Der Iran, der bereits in Afghanistan vom amerikanischen Eingreifen profitierte, wird lachender Dritter sein. Die arabische Straße wird die eigenen Regimes in einer Weise unter Druck setzen, dass ihr Überleben am Spiel steht. Der bespiellose Unilateralismus gegenüber den eigenen Verbündeten wird die Spannungen in der Heiligen Allianz selbst enorm erhöhen. Die Partner haben verstanden, dass sie sich in einer furchtbaren Zwickmühle befinden. Sie bedürfen des großen Bruders in Washington zur Durchsetzung ihrer imperialistischen Interessen, doch jeder Krieg macht sie noch abhängiger, ordnet sie noch weiter unter – eine Tendenz, die sie hintanzuhalten versuchen werden.
Die Möglichkeiten einer antiimperialistischen Bewegung insbesondere in der arabischen Welt und in Europa stehen jedenfalls besser als während des ganzen vergangenen Jahrzehnts.