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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

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 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 3 September 2002

Editorial


The crash of a civilization oder das Ende der Spaßgesellschaft

Der 11. September 2002 steht bevor und mit ihm der erste Jahrestag der Anschläge auf die Symbole amerikanischer Macht. Während sich der Westen gleichzeitig auf Trauerfeierlichkeiten und neue Vergeltungskriege vorbereitet, wird in der Linken nach wie vor über Urheberschaft und Bedeutung dieses Ereignisses debattiert. Tatsache ist, dass der 11. September 2001 das vergangene Jahr wie kein anderes Ereignis geprägt hat und dass er seine Schatten weit voraus wirft. Ziehen wir Bilanz.

Im Oktober erklären die USA den Krieg. Doch es ist nicht irgendein Krieg, es ist der Krieg des Guten gegen das Böse schlechthin, gegen den islamischen „Terrorismus“. Mit dem ehemaligen Verbündeten, dem Taliban-Regime, muss auch das afghanische Volk dran glauben. Amerikas „gerechter Krieg“ fordert Tausende zivile Todesopfer und hinterlässt ein zerstörtes und in seiner Stabilität endgültig erschüttertes Land. Im März startet Israel seinen „gerechten Krieg“, den Krieg des „legitimen Sicherheitsbedürfnisses“ gegen den terroristischen Überlebenswillen des palästinensischen Volkes. Die Mondlandschaft des verwüsteten Flüchtlingslagers Jenin symbolisiert Israels Tatendrang – den palästinensischen Widerstand dem Erdboden gleichzumachen. Seit Monaten rüsten die USA zu einem neuen Krieg, personifiziertes Böses ist diesmal ein Altbekannter, Saddam Hussein. Sein Sturz wird zum erklärten Ziel des Terrorkrieges, Tausende Tote zum einkalkulierten Kollateralschaden.

Doch es ist auch nach innen hin Krieg. Krieg der amerikanischen Werte gegen die demokratischen Grundrechte. Wenn letztere ersteren im Wege stehen, werden sie außer Kraft gesetzt. Menschenrechte gelten nicht für Terroristen und ihre Helfershelfer und wer ein Terrorist ist, das bestimmt das Pentagon, wer ein Mensch ist, CNN. So zieht auch in die amerikanische Spaßgesellschaft der Ernst des Lebens ein, denn dem Recht auf Konsumvergnügen als Lebensinhalt muss notfalls auch geopfert werden, was bislang als Grundlage der westlichen Gesellschaft gepriesen wurde.

Es ist auch in den Köpfen Krieg, oder besser, es ist Krieg gegen die Köpfe. Eine riesige Medienschlacht um die Herzen der Menschen ist seit dem 11. September im Gange, um sie endgültig davon zu überzeugen, dass Macht Recht ist und Recht Unbotmäßigkeit. Doch es gelingt nicht. Im Oktober zogen die USA aus, um Ruhe zu schaffen. In Afghanistan, in Palästina, im Irak hat ihr vermeintlicher Siegeszug nur Unruhe gestiftet, Unruhe, die ihr weltweites Machtkonstrukt ins Wanken zu bringen droht.

Am 11. September 2001 ist mit dem World Trade Center ein Mythos in sich zusammengebrochen, der Mythos der amerikanischen Unverwundbarkeit. Keine Hollywood-Produktion wird ihn wieder zum Leben erwecken können. Wenn am 11. September 2002 die westliche Welt um den Verstorbenen trauert, werden möglicherweise seine Opfer, die geknechteten, erniedrigten und gedemütigten Sklaven der Spaßgesellschaft keine Tränen hervorbringen. Kann’s ihnen jemand verwehren?

Margarethe Berger