Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

Verkaufstellen:: Beiträge:: Impressum&Kontakt:: Abo:: Info mail:: Werben
suche:

 

 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 3 September 2002

Bittere Medizin

Der 11. September hat den Westen von seinem Allmachtsdelirium auf den Boden eines unversöhnlichen Konfliktes mit offenem Ausgang zurückgeholt. Mit den Zwillingstürmen erlitten nicht nur die imperialen Ideologen Schiffbruch, sondern es stürzten auch alle bisherigen Versuche der Linken zusammen, auf die Globalisierung eine Antwort zu finden.


Der 11. September, der Beginn der Geschichte und das Ende der Linken

Die breite Gefolgschaft von Francis Fukuyamas These vom Ende der Geschichte (1) erklärt sich nicht nur daraus, dass er einen scheinbar realistischen Spiegel jener Wirklichkeit schuf, die alle Widersprüche und politischen Konflikte im Wege der Vernunft westlichen Pragmatismus und Liberalismus löste, die in einem „universellem homogenen Staat alle vormaligen Widersprüche löst und alle Bedürfnisse der Menschen befriedigt“.(2) Ihren notwendigen Verbündeten fand sie in einer Linken im freien Fall, die alle Waffen, besonders die der Kritik, verloren hat, nachdem ihr Sicherheitsnetz aus Determinismus und Zielgerichtetheit der Geschichte 1989-91 wie Staub zerfallen war. Nachdem dem Ding an Sich des „linken Dualismus“, der geschichtlichen Sicherheit, mit dem Ende der Sowjetunion also der Todesstoß versetzt worden war, versuchte sich die Linke durch die andere Seite ihres Wesens zu retten: die kategorischen Imperative von Moralismus und politischer Korrektheit als Leitmotive einer Opposition gegen die rasch rauer werdende Wirklichkeit. Mit dem 11. September erhielt sie das Zeichen, dass auch diese Seite ihres genetischen Codes unbrauchbar geworden ist.
Wie eine Flutwelle schwemmt der Neubeginn der Geschichte, der eskalierende Konflikt mit offenem Ausgang, die Linke gegen unerwartete Klippen, ohne dass diese auch nur ansatzweise ein Mittel der Selbst-Orientierung hätte, um diesem neuen politischen Prozess einen Sinn, geschweige denn eine Richtung zu geben. „Desto schlimmer, desto falscher, wenn sie alle (...) von ihrem Gott, ihrer Substanz, ihrem Absoluten gehandelt haben, als wäre hier ein Fixum, ein Definitum, gar ein Realissimum ohnegleichen und aller Prozess lediglich Pädagogik zu solchem Fixum hin oder von ihm her. (...) Philosophie bewährt sich statt dessen als Expedition mit und in dem weitverzweigten, unabgeschlossenen Prozess, als Mut zu jener Ungarantiertheit, die Hoffnung genau an die Front setzt.“(3) Was Anlass zu Optimismus über eine neue Runde in der weltpolitischen Auseinandersetzung sein sollte, über neue Möglichkeiten ein revolutionäres Projekt aus den ausbrechenden Konflikten aufzubauen, macht die Linke im Prinzip hoffnungslos. Die grausamen Entwicklungen haben die unbrauchbare genetische Prägung ihrer Spezies – von leuchtenden Ausnahmen revolutionärer Politik abgesehen – offenbart: blinden Fortschrittsglauben ergänzt von moralischen Dekalogen (vom sozialdemokratischen Arbeiter zum stählernen Sowjetmenschen, von den „antibürgerlichen“ Eskapaden der 68er zur politischen Korrektheit). Der Neubeginn des Kampfes scheint an seinem Anfang die Linke auszuselektieren, soweit sie nicht schon in die Population des bürgerlichen Liberalismus zurückgekehrt ist. Doch jede Krise kann heilsam sein, denn „(die) Bedeutung von Krisen liegt in dem von ihnen gegebenen Hinweis darauf, dass der Zeitpunkt für einen solchen Wechsel (des Paradigmas, d. A.) gekommen ist“.(4) Betrachten wir diese Krise sowohl bürgerlicher als auch linker Paradigmen im Angesicht des 11. Septembers – einer Kritik der Waffen besonderer Art –, die die Notwendigkeit einer antiimperialistischen Neubegründung der Linken unterstreicht.

Der 11. September und Fukuyamas Ende der Geschichte

Francis Fukuyama, seinerzeit im Planungsstab des US-State Department, drückte 1989 das Delirium des Sieges des Westens in seinem berühmten Artikel The End of History? (5) aus. „Der Triumph des Westens, der westlichen Idee, ist zuallererst im totalen Scheitern einer gangbaren Systemalternative zum westlichen Liberalismus zu sehen. (...) Doch dieses Phänomen geht über die hohe Politik hinaus und spiegelt sich in der unaufhaltsamen Ausbreitung der Konsumkultur des Westens in unterschiedlichstem Kontexte wider (...). Was wir sehen ist nicht nur das Ende des Kalten Krieges oder der Übergang zu einer besonderen Periode von Nachkriegsgeschichte, sondern das Ende der Geschichte als solcher: das heißt der Endpunkt der ideologischen Evolution der Menschheit und der Universalisierung der westlichen liberalen Demokratie als der Endform der menschlichen Regierung.“(6) Dieses Ende der Geschichte führe zu einem „universellen homogenen Staat in Form liberaler Demokratie in der politischen Sphäre kombiniert mit dem einfachen Zugang zu Videorekordern und Stereoanlagen in der Wirtschaft“.(7) Triumphalismus macht blind, um so mehr einen bürgerlichen Kopf, der jenseits offensichtlicher Geopolitik den Keimen der neuen Kräfte des Bruches nur mit Arroganz begegnen kann, wenn er sagt: „Für unseren Zweck ist es gänzlich egal, wenn seltsame Gedanken unter den Völkern von Albanien oder Burkina Faso sich ausbreiten, denn uns interessiert nur, was man gemeinhin als das gemeinsame ideologische Erbe der Menschheit bezeichnen könnte.“ (8) Der Mythos der Globalisierung als konsolidierter Universalismus westlichen Lifestyles, der die Menschheit eint, ist mit den Zwillingstürmen zusammengebrochen. Noch nie in der Geschichte war die Menschheit so gespalten. Der imperiale Traum von einer Welt aus Lemmingen, die sich dem Ende der Geschichte willfährig unterwerfen, konnte nur scheitern wie alle tausendjährigen Reiche vor ihm. Fukuyama sei der Name „Afghanistan“ auf die Stirn tätowiert, eines jener „seltsamen Länder“, dessen Kriegsopfer und, trotz High-Tech, nicht befriedete Dissidenz zu den US-Plänen nicht nur das regionale Gleichgewicht einer strategischen Schlüsselregion erschüttert haben, sondern von Indonesien bis Algerien den antiwestlichen Zorn breitester Bevölkerungsschichten an den Rand der Explosion gebracht hat.
Fukuyamas „idealistischer“ These (dessen Ableitung aus Hegel wohl aus seiner amerikanischen Unfähigkeit kommt, „die Tiefe von Hegels radikal idealistischer Perspektive zu verteidigen“ (9)) von der Priorität des ideologischen Sieges folgend, kann man einen endgültigen „ideologischen Bruch“ westlicher Hegemonie diagnostizieren, der aufgrund seiner sozialen, kulturellen und politischen Ursachen ständig auf die radikale Infragestellung der imperialistisch-kapitalistischen Weltordnung in ihrer Gesamtheit zielt, auf den Neubeginn der Geschichte.

Der 11. September und Huntingtons Bantustan-Idee

Hat sich nun Samuel P. Huntingtons These der Kernstaatenkonflikte und Bruchlinienkonflikte bestätigt, die er in seinem Bestseller Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert entwickelt? (10) „Kulturen sind die ultimativen menschlichen Stämme, und der Kampf der Kulturen ist ein Stammeskonflikt im Weltmaßstab. In der sich formierenden Welt können Staaten und Gruppen aus zwei verschiedenen Kulturkreisen miteinander begrenzte, taktische ad-hoc Verbindungen und –Koalitionen eingehen (...). Die Beziehungen zwischen Gruppen aus verschiedenen Kulturkreisen werden jedoch fast niemals eng, sondern für gewöhnlich kühl und feindselig sein. (...) Dieser Konflikt (zwischen Kulturkreisen, d.A.) nimmt zwei Formen an. Auf lokaler oder Mikro-Ebene ergeben sich Bruchlinienkonflikte zwischen benachbarten Staaten aus unterschiedlichen Kulturen. (...) Zweitens könnte ein Kernstaatenkrieg aus Veränderungen des weltweiten Machtgleichgewichtes zwischen den Kulturkreisen resultieren.“(11)
Auf der Basis der kolonialistischen Behauptung, der Westen sei „mit einem Wort eine ‚reife Gesellschaft’ an der Schwelle dessen geworden (...), was künftige Generationen einmal als ein goldenes Zeitalter betrachten werden“ (12) präsentiert Huntington eine Schutzwallstrategie des Westens im Konflikt mit den nicht-westlichen Kulturkreisen: militärische Integration und Ost-Expansion durch die NATO, politisch-kulturelle Penetration („Verwestlichung“) Lateinamerikas, Einschränkung der militärischen Kraft der islamischen Länder und die Behauptung seiner technologischen und militärischen Überlegenheit (13). Huntingtons politische Grundidee im Lichte aufkeimender Konflikte ist eine Containment-Strategie, die sich gegen den westlichen „Universalismus“ stellt und eine direkte Intervention in „nicht westliche Kernstaatenzonen“ als größte Gefahr für den Westen ablehnt. (14). Dagegen schlägt er – analog den Vorstellungen mancher israelischer „Linker“ zur Lösung der Palästinafrage - eine saubere Trennung vor, die militärisch abgesichert werden soll. Jeder Rasse ihr Gebiet: dem Westen der Reichtum und die geostrategische Kontrolle, dem Rest der Welt elende, aber kulturell eigenständige Bantustans.
Huntingtons geschichtslose Reduktion eines integralen Konfliktes zwischen unterdrückten und unterdrückenden Nationen, dessen Motor die Gesamtheit historischer, sozialer, politischer und kultureller Unterdrückung ist, auf die Differenz der Kulturen, die sich bei Berührung oder Durchdringung bekämpfen, ist eine nicht sonderlich originelle, moderne Version alter Kolonialideologie: der Westen erreichte seine Herrschaft und Entwicklung Kraft kultureller Überlegenheit über alle anderen Kulturen. Kolonialismus und Imperialismus, Ausplünderung und Befreiungskrieg, die reale Geschichte also, nicht anerkennend, muss Huntingtons Theorie an der Wirklichkeit des antiimperialistischen Widerstandes der Peripherie scheitern. Denn dieser Kampf um die Rettung der eigenen sozialen, politischen und kulturellen Existenz vor einem mit der Globalisierung ins Unendliche gesteigerten politisch-militärisch und kulturell expansionistischen Westen muss gegen den Imperialismus schlagen und lässt sich nicht ein- oder aussperren. Sein Grund liegt im westlichen Imperialismus, seine Dynamik ist notwendig international, antiwestlich und antiimperialistisch. Die Forderung nach „Grenzen zwischen den Kulturen“ ist eine mögliche Form der Aggression des Westens, um seine opulenten Zentren zu sichern. Doch die Proklamation des globalen Kriegs durch George Bush als heute vorherrschende Form westlicher Politik ist nicht etwa Folge eines falsch verstandenen Universalismus westlicher Kultur, sondern vielmehr richtig verstandene Geopolitik des kapitalistisch-neokolonialistischen Imperiums. Die Form des 11. September mag eine außergewöhnliche Erscheinung dieses internationalen Konfliktes sein, doch zweifellos ist seine Dynamik ein unversöhnlicher Kampf gegen die imperialistischen Kernstaaten durch die nationale und soziale Befreiung der Peripherie und – so hoffen wir - ihre „ungleichzeitig-kombinierten“ Rückwirkungen auf den sozialen Konflikt in der „westlichen Kulturgemeinschaft“ selbst.

Der 11. September und Negris imperiale Menge

Während Huntigton seine „Kulturkreis-Trennungsideologie“ mit einer Reduktion des Konfliktes auf eine seiner politisch-ideologischen Erscheinungsformen begründen will, so versucht dagegen Antonio Negri in seinem gemeinsamen Buch mit Michael Hardt, Empire. Die Neue Weltordnung (15) durch totale Abstraktion von den konkreten Konflikten einen neuen und reinen Protagonisten aus der Globalisierung heraus zu konstruieren. Negris Affirmation der Globalisierung passiert in einer (post)Modernisierung einer alten Illusion des Marxismus sozialdemokratischer, luxemburgistischer, ultralinker und operaistischer (Negris Traditionslinie) Prägung: das Kapital produziert seinen eigenen Totengräber, die Arbeiterklasse. Bei Negri, der seinen neuen Antiglobalisierungs-Demiurgen „Menge“ nennt, heißt es: „Indem sie arbeitet, produziert sich die Menge selbst als Singularität. (...) Die Menge bekräftigt ihre Singularität, indem sie die ideologische Illusion, alle Menschen auf den globalen Oberflächen seien austauschbar, umkehrt. Sie stellt die Marktideologie sozusagen vom Kopf auf die Füße (...).“(16) Negris Menge ist das Produkt des imperialen Kapitals jenseits des Nationalstaates, eine „gegenimperiale“ Menge abseits der Kategorien von Klassen, Volk oder Nation. Diese Menge konstituiert sich wundersam (wie einst das Proletariat aus dem Kapital) als neues internationales Subjekt: „Mittels Zirkulation macht sich die Menge den Raum wieder zu eigen und konstituiert sich als handelndes Subjekt.“(17) Die von der Globalisierung geborene Menge als anti-nationales Subjekt findet auch organisch zu ihrer Politisierung in der verbindenden Forderung nach „Weltbürgerschaft“ (18), eine Idee, die Negri etwa mit Habermas verbindet, der von einer „kosmopolitischen Zwangssolidarisierung“ durch die Auflösung des Nationalstaates spricht und – in stärker institutioneller Diktion als der „zivil-ungehorsame“ Negri – für die „Schaffung des politischen Status von Weltbürgern“ eintritt (19). Negri kommt zur Antiglobalisierungsbewegung, die international mobil dem imperialen Kapital nachjagt, Habermas dagegen zum internationalen Gerichtshof, der rückwärtsgewandte Nationalisten jagt. In jedem Fall aber liegt die Lösung in jener neuen internationalen und anti-nationalen Dynamik, ob nun in ihrer direkten Affirmation oder in ihrer Negation durch den produzierten Totengräber der transnationalen Menge. Und auch gilt es jedenfalls sich gegen die Kräfte zu stellen, die Negri mit den Begriffen „Reinheit, Identität und Stillstand“(20) beschreibt und von denen er sogar meint, das Empire werde sie benutzen, um die internationale Zirkulation der Menge, die Mobilität als Pfad zum Bewusstsein, einschränken. Namentlich werde „das Empire seine Macht dazu nutzen, um die verschiedenen Mächte des Nationalismus und Fundamentalismus zu organisieren und zu orchestrieren“ (21).
Wie Rosa Luxemburg (die Negri gegen Lenin in der Ablehnung der Selbstbestimmung natürlich unterstützt (22)) in ihrer ideologischen Konstruktion des reinen internationalen Proletariats als organische Bruchlinie zum internationalen Kapital durch den Protagonismus der nationalen Befreiungsbewegungen als Motor des Kampfes gegen den Imperialismus im ganzen 20. Jahrhundert nachhaltig widerlegt wurde, so wird auch Negris These durch alle bisherigen Kriege der Neuen Weltordnung – vom Irak über Jugoslawien bis Afghanistan - und nicht zuletzt mit dem 11. September als eben solche falsche ideologische Konstruktion erschüttert. Nicht zuletzt auch in einer praktischen Widerlegung durch die Krise der Antiglobalisierungsbewegung, in der seine These einen konkreten Träger gefunden hatte. Ihres medialen Protagonismus verloren, der ihr ihre verbindende, virtuelle Einheit gab, führen die realen Konflikte des Kampfes der unterdrückten Welt gegen das imperialistische Empire zur Aufspaltung der scheinbar homogenen Menge (der sogenannten Einheit in der Vielfalt) in konkrete politische Richtungen. Es bleibt keine Menge, sondern SozialdemokratInnen und AntiimperialistInnen, Prowestliche und Antiwestliche, die gezwungen wurden, die Rebellion der vom Imperialismus unterdrückten Welt als wahren Protagonisten zu sehen, „gern oder ungern, je nach eurer Stellung im Kampf“, wie Brecht einst sagte (23). Negris Theorie war vielleicht ein letzter Versuch, aus dem imperialistischen Fortschritt eine verdeckte, messianische Seite hervorzukehren, die dem scheinbar Unaufhaltsamen doch noch etwas positives abzugewinnen versuchte – um nicht gemeinsam mit den Verdammten der Erde in ihrem so politisch unkorrekten Widerstand gegen den imperialistischen Fortschritt stehen zu müssen.
Der 11. September und die unoriginelle Linke

Schlussendlich kommt man nicht herum kurz die Positionen der „kommunistischen“ Linken unterschiedlicher Provenienz im Lichte des 11. September zu beleuchten. Ein Unterfangen, das wenig interessant ist, insofern die Stagnation hier selbst durch die zusammenfallenden Zwillingstürme kaum zu erschüttern ist. Zwei Stellungnahmen herrschen vor: Erstens, es hat sich nichts geändert, seit der Imperialismus von Lenin beschrieben wurde und der 11. September war nur ein Vorwand für einen internationalen Terrorkrieg, der ohnehin eine Konstante des Imperialismus ist. Zweitens, der 11. September ist die Tat der Geheimdienste. Mit einem Wort, das „Ende der Geschichte“, kein Wandel, keine neuen Konflikte, kein Denken und keine Praxis. Die Geschichte ist ein ehernes determiniertes Schicksal, die keine Autonomie des Handelns gegen einen monolithischen und widerspruchsfreien Gegner zulässt. Im besten der Fälle liegt die Hoffnung in den geopolitischen Spannungen eines künftigen Konflikts „Apparat gegen Apparat“, jenseits der antiimperialistischen Praxis der Unterklassen und unterdrückten Völker, dieser „seltsamen Erscheinungen zwischen Albanien und Burkina Faso“, wie sie Fukuyama nannte.
Die antiimperialistische Hoffnung liegt dagegen in der Erkenntnis dieser Widersprüchlichkeit des US-Terrorkrieges, in der explosiven Situation, die jede High-Tech-Bombe aufreißt, anstatt sie zu zerstäuben, der Zwangslage des Imperialismus durch die Instabilität seiner Marionetten und der politischen, sozialen und kulturellen Rebellion der Ausgestoßenen, kurz: im Verlust an Hegemonie und in der politische Schwäche einer Politik reinen Zwanges. Es geht um den „Mut zu jener Ungarantiertheit, die Hoffnung genau an die Front setzt.“ Denn nach dem 11. September ist die Ungarantiertheit für den Imperialismus sprunghaft gewachsen. Mit der Kritik der Waffen – des ehrlichen Terrorkrieges gegen alle Opposition und der hasserfüllten Antwort der Verdammten der Erde - wurden die ideologischen Versuche der Systemideologen zerschlagen, mit der Waffe der Kritik eines neuen Marxismus auf antiimperialistischem Fundament gilt es die letzten Auswüchse einer verlorenen Linken zu überwinden.

Gernot Zeiler

(1) Fukuyama, Francis (1989) The End of Histroy? In The National Interest, New York, S. 3
(2) A.a.O. S. 6
(3) Bloch, Ernst, Das Prinzip Hoffnung, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, S 1625
(4) Kuhn, Thomas S., Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Frankfurt am Main 1967, S. 89
(5) Die folgende Übersetzung der Zitate aus dem Englischen erfolgte durch den Autor.
(6) A.a.O. S. 3
(7) A.a.O. S. 8
(8) A.a.O. S. 8
(9) A.a.O. S. 8
(10) Huntington, Samuel P. (1996), Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, Siedler Taschenbuch, München 1998
(11) A.a.O. S. 331 ff.
(12) A.a.O. S 497
(13) A.a.O. S 514
(14) A.a.O. S. 512
(15) Negri, Antonio, Hardt, Michael, Empire. Die Neue Weltordnung. 2000, Campus Verlag, Frankfurt/Main 2002
(16) A.a.O. S. 402
(17) A.a.O. S. 404
(18) A.a.O. S. 406
(19) Habermas, Jürgen, Die postnationale Konstellation. Politische Essays, suhrkamp Verlag, 1998, S 160
(20) Negri, S. 162
(21) A.a.O. S. 405
(22) A.a.O. S. 110
(23) Brecht, Berthold, Gedanken über die Rote Fahne. In: Die Mutter. Kantate op. 25