Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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 Aktuell

Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 3 September 2002

Keine Demokratie für die „Meister des Terrorismus“

Die Teilnehmer des Antiimperialistischen Sommerlagers 2002 in Assisi bekamen einen Vorgeschmack auf Europas Politik gegen den „Terrorismus“. Das internationale Treffen von oppositionellen Organisationen und Befreiungsbewegungen als Zielscheibe der Politik der „schwarzen Listen“.


Von den Brigadisten zum Meister des Terrors

Begleitet war das Antiimperialistische Sommerlager von Assisi nicht nur durch einen permanenten Polizeiposten an der Zufahrtsstrasse zum Camp. Besonders die medialen Salven sollten die sechste jährliche Zusammenkunft antiimperialistischer Organisationen, demokratischer und revolutionärer Oppositioneller aus aller Welt bereits im Vorfeld treffen. Mit schwerem Geschütz fuhr insbesondere die Tageszeitung „Libero“ auf. Ein erster Schuss vor den Bug wurde mit der Schlagzeile „Treffen der Brigadisten“ abgefeuert, um das Sommerlager mit den jüngsten Attentaten angeblicher Nachfolgegruppen der Roten Brigaden in Italien in Verbindung zu bringen. Nach der „Internationale der Terroristen“ fand „Libero“ schließlich eine Personalisierung der terroristischen Ziele des Antiimperialistischen Camps: den „Meister des Terrorismus“, Jaime Yovanovic Prieto aus Chile. Prieto leistete als Antifaschist und Aktivist der linken MIR-Partei gegen die Pinochet-Diktatur Widerstand. Bereits vor zwei Jahren war er nach dem Sommerlager verhaftet und des Landes verwiesen worden. Am zweiten Tag des Sommerlagers, nachdem Prieto seinen Bericht über das Welt Sozialforum von Porto Alegre präsentiert hatte, versuchte die Polizei ihn mitzunehmen, „um seine Papiere zu kontrollieren“. Nachdem dies von den OrganisatorInnen und TeilnehmerInnen des Lagers verhindert wurde, musste Jaime Prieto sich in das Franziskanerkonvent von Assisi zurückziehen, um durch den Status seiner Extraterritorialität einer Verhaftung und Abschiebung zu entgehen und einen offiziellen Antrag auf politisches Asyl in Italien stellen zu können. Unter Mittäterschaft des Ordensführers wurde Prieto dennoch am 5. August in der Kirche festgenommen und nach Südafrika, sein vorheriges Aufenthaltsland, abgeschoben. Die südafrikanischen Behörden ihrerseits setzten ihn fest und drohen selbst mit einer Abschiebung nach Chile. Eine internationale Kampagne für die sofortige Freilassung und politisches Asyl für Yovanovic Prieto ist bereits angelaufen.

Der Kampf um die öffentliche Meinung

Das Antiimperialistische Sommerlager hatte, nach den Ereignissen des 11. September, seinen thematischen Schwerpunkt im internationalen Terrorkrieg gegen die Demokratie und die Rechte der Völker. Die Diskussionsforen um Aspekte dieses Terrorkrieges - etwa die illegalen Verhaftungen von arabischen Staatsbürgern in den USA, den Bruch der Genfer Konvention in Guantanamo, die schwarzen Listen, die konkreten Folgen für Länder wie Palästina, Kolumbien oder Afghanistan - spiegelten diesen Schwerpunkt genauso wider wie die TeilnehmerInnenliste: Die Öffentlichkeit sollte aus erster Hand die „terroristische Gesinnung“ der - auch potentiellen - Opfer amerikanischer und europäischer Schwarze-Listen-Politik hören können, darunter der baskischen Batasuna, der kolumbianischen FARC, der türkisch-kurdischen DHKPC oder auch antizionistischer Organisationen aus Palästina. Das Antiimperialistische Sommerlager ging mit der Botschaft „Wir sind Terroristen? Wir sind Kämpfer für die Freiheit!“ an die Öffentlichkeit, in der Überzeugung, der US-Terrorkrieg gegen jegliche Rechtsstaatlichkeit, Friedenspolitik und Demokratie sei auch Ausdruck einer zunehmenden Schwäche, eine Weltordnung sozialen Unrechts, Ungleichheit zwischen den Nationen und kultureller Diktatur des Einheits-Lifestyle der USA als konsensuales Ende der Geschichte zu verkaufen. Wie Sharon Black vom International Action Center aus den USA berichtete, konnten selbst in diesem Land trotz patriotischer Hysterie BürgerrechtlerInnen zum gemeinsamen Protest mit der Linken gegen den Trend zum Autoritarismus mobilisiert werden. Ein Bündnis der antiimperialistischen Befreiungsbewegungen hat seine Chance im Westen darin, die Kritik und das Missfallen mit der Diktatspolitik des Westens unter Führung der USA in einem Teil der öffentliche Meinung zu nutzen, um Verständnis und Solidarität mit dem antiimperialistischen Widerstandskampf der Peripherie zu gewinnen. Symbolisch zeigte die mediale Spaltung um den Fall Prieto diesen richtigen Versuch des Antiimperialistischen Sommerlagers. Die staatsterroristisch-mediale Politik um den „Libero“ gegen einen bekannten Antifaschisten ließ die linksliberale „L´Unita“-Zeitung schließlich mehrfach in Unterstützung von Jaime und in Verteidigung des antiimperialistischen Treffens von Assisi berichten.

Antiimperialismus vor realen Chancen

Was die ersten und noch isolierten Zeichen des Glaubwürdigkeitsverlusts der aggressiven US-Weltpolitik in der öffentlichen Meinung und Teilen der meinungsbildenden Mittelschicht sind, das ist die offene Krise der Konzepte der Antiglobalisierungsbewegung im Angesicht des Terrorkrieges. Der Rückzug auf eine „andere Welt“ und eine Ausschlusspolitik gegen Kräfte, die Protagonisten der internationalen Opposition gegen die Globalisierung sind, brachte nach dem 11. September eine scheinbar einheitliche Bewegung zur Aufspaltung entlang der nicht mehr vermeidbaren, konkreten Positionierung. Die Führungsgruppe um ATTAC fand auf ihre Weise zur Illusion eines liberalen Endes der Geschichte in westlicher Demokratie und Freiheit zurück. Der autonome Subversivismus befindet sich zwischen einer bürgerlichen Zivilgesellschaft, Subkultur und einer möglichen Repolitisierung im Sinne antiimperialistischer Solidarität. Nachdem die AntiimperialistInnen während der Verteidigung Jugoslawiens und Afghanistans noch weitgehend alleine gegen eine dominante öffentliche Befürwortung und die mittäterische „Weder-Noch“ Passivität der Linken standen, fanden sich in der Solidarität mit Palästina endlich auch Teile der AntiglobalisiererInnen zu einem gemeinsamen Protest bereit. Der bevorstehende Angriff gegen den Irak, dessen Unterstützung gegen mehr als zehn Jahre Embargo, Krieg und westlichen Massenmord ausschließlich bei den wenigen AntiimperialistInnen lag, wird den Trend einer Erneuerung der oppositionellen Kräfte gegen die Globalisierung, die sich für die Einheit aller Kräfte des Widerstandes einsetzen, sicher verstärken.
Das Antiimperialistische Sommerlager schloss daher seine Abschlusserklärung mit vier Initiativvorschlägen:
1. Ein internationaler Protesttag am 28. September zum zweiten Jahrestag der Intifada
2. Eine gesamteuropäische Demonstration am 26. Oktober in Brüssel zur Rücknahme der europäischen schwarzen Liste
3. Ein Tag gegen Isolationshaft und für die Freiheit der politischen Gefangenen am 19. Dezember
4. Eine Solidaritätsdelegation nach Palästina und eine internationale Delegation in den Irak, die im Falle des Angriffes durch ihre Anwesenheit ihre Solidarität mit dem Irak und ihre Bereitschaft, gegen den Krieg zu stehen, zeigt.

weitere Infos unter:www.antiimperialista.org/de