Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 2 Juli 2002

Editorial


Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Es liegt mit dieser Nummer die zweite Ausgabe der bruchlinien – Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung vor. Bruchlinien – dieser Begriff birgt in sich eine Vagheit, die der Konkretisierung bedarf, um in der Vorstellung lebendig zu werden, was der Untertitel Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung denn auch unternimmt.
Die Zeitschrift will Beiträge bringen für jene Menschen, die sich nicht mit den herrschenden Bedingungen, Werten und Weltsichten abfinden, sondern diese umfassend verändern wollen. Wo Orientierungslosigkeit in der Linken herrscht, will sie Bewusstsein schaffen für die revolutionären Möglichkeiten und Angelpunkte in einer neuen Situation, wo Neoliberalismus, Globalisierung, Neue Weltordnung und der Zusammenbruch des Ostens veränderte Bedingungen geschaffen haben und die entscheidenden Kämpfe an der Peripherie toben.
Bruchlinie(n) findet sich in keinem üblichen Wörterbuch und das liegt nicht nur darin begründet, dass es sich um einen Begriff aus dem letzten Jahrzehnt des vorigen und dem ersten des beginnenden Jahrtausends handelt. Wer herrscht, der will über ein harmonisches Ganzes herrschen, der will Antagonismen aus der Welt und aus dem Bewusstsein haben, ein Konzept, in das Bruchlinien gar nicht passen.
Als Samuel P. Huntington in seinem Buch The Clash of Civilisations (dt.: Kampf der Kulturen) die Behauptung aufstellte, dass „die gefährlichsten Konflikte aber [...] jene an den Bruchlinien zwischen den Kulturen” (1) sind und, den Begriff auf das politische Weltgeschehen anwendend, von „Bruchlinienkriegen” sprach als „Konflikten zwischen Gemeinschaften, die Staaten oder Gruppen aus unterschiedlichen Kulturen angehören, [...], die gewaltsam geworden sind” (2), erhob sich ein Sturm der Empörung. Dieser richtete sich aber nicht gegen die falsche Analyse der Ursachen und Lösungen durch den Ex-Berater des US-Außenministeriums, sondern ganz im Sinne der Clinton-Propaganda gegen die Konstatierung eines „Kulturkampfes” an den Bruchlinien und die Behandlung der Gewaltfrage, die nun ins Rampenlicht geriet und nicht mehr nur Naturereignis oder brutale Wirklichkeit hinter Schönrednerei war.
Mit dem 11. September und Bushs Antiterror-Krieg geriet Huntington den Bürgern zum Propheten, weil er erkannt hatte, was wir schon längst wussten, dass an den Bruchlinien die kulturellen Identitäten politisch werden.

An Bruchlinien prallen auch die sozialen Gegensätze aufeinander, ereignen sich die Konfrontationen in der Gesellschaft, die Konfrontationen von Unterdrücker und Unterdrücktem. Dort vollzieht sich die Empörung von niedergehaltenen gegen hegemoniale Kulturen und der Widerstand gegen kapitalistische Realität und Imperialismus.

Bruchlinien suggeriert, dass Druck die Dinge in Bewegung hält, dass unversöhnliche Gegensätze bestehen, die ein potentielles Ganzes in Teile brechen, die einander entgegenwirken. In den Brüchen, die sowohl die innere als auch die äußere Welt durchziehen, manifestieren sich die treibenden Kräfte, verkörpern sich die Gegensätze und dort muss auch jede Veränderung ansetzen.
Den Verlauf dieser Brüche, die Bruchlinien aufzuzeigen und zu verfolgen ist die Intention der HerausgeberInnen dieser Hefte und ebenso die Leistung der verschiedenen Artikel.

Martin Vinomonte

(1) Samuel P. Huntington: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. Wien, München: Siedler 1998, S. 24
(2) Ebenda., S. 411