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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

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Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 2 Juli 2002

Neue Runde im Großen Spiel

Resolution der Internationalen Leninistischen Strömung zum Krieg gegen Afghanistan


Wenn man nur leicht an der Oberfläche kratzt, wird es bereits deutlich, dass die USA durch ihren Angriff auf Afghanistan und die darauf folgende Ausrufung eines permanenten Krieges gegen alle Kräfte, die nicht bereit sind sich unterzuordnen, nicht gestärkt wurden. Die Tatsache, dass sie es immer noch nicht geschafft haben, Bin Laden, der als der Große Dämon dargestellt wurde, zu fangen, ist hierbei nur ein untergeordneter Aspekt. Tatsächlich haben sie nur die Widersprüche im Land, in der Region und auf der ganzen Welt verschärft, ohne in der Lage dazu zu sein, auch nur einen einzigen davon zu lösen. Die Ausrufung eines permanenten Krieges ist das Eingeständnis, dass ihre globale Vorherrschaft zunehmend auf Ablehnung stößt, und sie immer mehr auf militärische Mittel und brutalen Zwang zurückgreifen müssen.


Afghanistan in Frage gestellt

Was Afghanistan betrifft, so haben die USA mit ihren Angriffen den letzten afghanischen Verbündeten Pakistans, historisch selbst das wichtigste Instrument der USA in der Region, ausgelöscht. Es ist eine bewiesene Tatsache, dass die USA Pakistan grünes Licht für die Unterstützung des Aufstiegs der Taliban gaben, nachdem sich gezeigt hatte, dass die Mujaheddin nicht dazu in der Lage waren, das Land unter ihre Kontrolle zu bringen. Das erzeugte nicht nur ein politisches Vakuum unter den Paschtunen, Afghanistans größter Volksgruppe, sondern bewirkte auch ihre Abwendung von Pakistan. Der paschtunische Nationalismus steht potentiell im Widerspruch zu Pakistan, da dieses das von Paschtunen bewohnte Gebiet entlang der Durand-Linie in zwei Teile spaltet. Mit dem Islamismus der Mujaheddin und dem der Taliban versuchte Pakistan den paschtunischen Nationalismus zu kanalisieren, und ihn für die Kontrolle Afghanistans zu benutzen. Dieser Versuch ist eindeutig fehlgeschlagen. Der Schüler wendet sich gegen seinen Herren. Durch die fortgesetzte Kooperation mit den USA bei der Verfolgung der islamischen Bewegung erzeugt Pakistan eine explosive Situation – auch unter seinen 25 Millionen Paschtunen, die nur auf eine Gelegenheit warten um loszuschlagen.

Die wahren Gewinner am Boden sind die Kräfte der Nordallianz, bestehend aus den verschiedenen nationalen, religiösen und ethnischen Minderheiten. Sie haben den Hindukusch in eine derart unüberwindliche Barriere verwandelt, wie er es seit der britischen Besatzung Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr war. Die Paschtunen, die im Nordosten und Norden des Landes angesiedelt wurden und als Hauptstütze des Staates dienten, wurden nun vertrieben. Dadurch wird die ganze staatliche Konzeption von Afghanistan in Frage gestellt.

Afghanistan wurde in der ersten Runde des Großen Spiels (1) als Pufferstaat zwischen Russland und dem Britischen Imperium geschaffen. Als sich herausstellte, dass direkte Kolonialherrschaft auf Grund des starken Widerstandes und des geringen Nutzens zu aufwendig war, beschloss der britische Imperialismus, Afghanistan die Unabhängigkeit zu entlassen. Er unterstützte die Errichtung eines zentralen Staates, der – trotz seiner historischen Schwäche – zumindest teilweise den britischen Interessen nutzte, und eine weitere Expansion Russlands Richtung Süden verhinderte. Die Versuche der herrschenden Elite, zuerst der, das Land nach dem kemalistischen Modell zu modernisieren (König Amanollah), und später der, sich an die Sowjetunion anzulehnen (König Zahir Shah und sein Cousin Präsident Daud), schlugen fehl, da es weder zu einer autochthonen, noch zu einer von außen aufgezwungenen, kapitalistischen Entwicklung kam. Im Wesentlichen blieb Afghanistan in unzählige semifeudale semitribale Entitäten ohne bedeutende moderne Bourgeoisie aufgeteilt. Afghanistan konnte sich daher nicht zu einem Nationalstaat entwickeln.

Ohne soziale Revolution keine Nationswerdung

Nachdem alle Versuche, eine kapitalistische Modernisierung ohne soziale Revolution durchzuführen, gescheitert waren, blieb es der in der Khalk-Fraktion der People’s Democratic Party of Afghanistan (PDPA) organisierten sozialrevolutionären Intelligenz vorbehalten in den Lauf der Geschichte entscheidend einzugreifen – wenn auch nicht in dem von ihr beabsichtigten Sinn. Sie war mit den selben Problemen konfrontiert, wie einige Jahre vor ihr die Kemalisten: Der Nichtexistenz entwickelter sozialer Klassen – kapitalistischer wie feudaler. So wie König Amanollah keine Bourgeoisie hatte, auf die er sich hätte stützen können, so suchten Amin und Taraki von der Khalk-Fraktion vergeblich das Proletariat und die verarmte Bauernschaft, die ihnen für die Umgestaltung der Gesellschaft nach ihrem radikalen Programm als politisches Subjekt dienen hätten sollen. Sich des schwindenden Bodens unter ihren Füssen gewahr werdend, stürzten sich die afghanischen Revolutionäre in um so radikalere Reformen, die sie den ärmeren Klassen von oben aufzwangen und sich diese somit entfremdeten, anstatt sie für sich zu gewinnen. Ihr einziges Instrument blieb die Armee.

Mit diesem Vorgehen störten sie das internationale Kräftegleichgewicht, und provozierten so, in einer neuen Runde des Großen Spiels, die heftige Intervention der USA wie auch der UdSSR. Der darauf folgende 20-jährige Bürgerkrieg, wandelte sich, obwohl er als Klassenkampf begann, in seinem weiteren Verlauf immer mehr in einen Konflikt zwischen nationalen, ethnischen und religiösen Kräften um, und machte diese zu eigenständigen nationalen Gemeinschaften im modernen Sinn. Dies verstand der späte Nadschibullah, was es ihm, sehr zur Überraschung des Imperialismus, ermöglichte, mit Hilfe einer Allianz aus mehreren solcher Gruppen, nach dem Abzug der sowjetischen Truppen noch drei Jahre an der Macht zu bleiben. Und es war schließlich die Abkehr von General Dostum – der Verkörperung der von Nadschibullah geförderten innerafghanischen Nationsbildung – von dieser Allianz, die deren Untergang bewirkte, und zur totalen Degeneration des Krieges in einen reinen Rivalitätskampf zwischen feudalen, religiösen, nationalen und Stammesgruppen führte, und somit die Zersplitterung des Landes vervollständigte.


Auch unter islamischem Banner keine Vereinigung des Landes

Die Taliban waren der letzte Versuch, das Land zu vereinigen – jetzt unter dem Banner des Islam. Ihre Stärke – abgesehen von der Unterstützung durch Pakistan – lag in ihrem Bruch mit den diskreditierten feudalen Mujaheddin-Führern wie Hekmatyar, und in ihrem Ursprung, als Bewegung eines durch den Krieg erzeugten Lumpenproletariats. Durch die Einführung ihrer besonderen Interpretation der Scharia schafften sie es, den verheerenden Bürgerkrieg zu beenden, und genossen – zumindest eine Zeit lang – die Unterstützung der Massen, durch ihren Appell an die Umma, die Einheit aller Muslime, auch jene der Minderheiten. Doch auf die Dauer konnte der Islamismus den paschtunischen Nationalismus nur unzureichend verdecken, sodass die Taliban den verschiedenen Minderheiten immer mehr als fremde Okkupanten erschienen.

Die Jamiat-i Islami der Panshjir-Tadschiken mit ihrem historischen Führer Massud waren die einzigen, die sich den Taliban nicht ergaben. Dank der US-Intervention sind sie nun die bei weitem stärkste Kraft und sitzen in der Übergangsregierung an den bedeutendsten Schaltstellen der Macht. Sie verfügen über die besten und diszipliniertesten Soldaten, haben die professionellste und am besten ausgerüstetste Armee und werden über Tadschikistan von Russland unterstützt, unter dessen starkem Einfluss sie daher auch stehen – eine Allianz, die bis in die Zeit von Nadschibullah zurückreicht.

Die verschiedenen Fraktionen der Hezb-i Wahdad der schiitischen Hazara, wie auch die Tadschiken rund um Herat unter der Führung des feudalen Ismail Khan, halten die Kontrolle über ihre jeweiligen Gebiete, und verlangen ihren Anteil an der Macht. Aus kulturellen, religiösen und geographischen Gründen sind sie grundsätzlich mit dem Iran verbündet. Die usbekischen Milizen von Dostum haben sich als die Unberechenbarsten erwiesen. Sie werden sich mit jedem verbünden, der ihnen ihre regionale Kontrolle und ein Maximum an Macht in der Übergangsregierung garantieren kann.

Die De-facto-Spaltung des Landes scheint eine historische Realität zu sein, die kurz- oder mittelfristig kaum rückgängig zu machen sein wird. Die entwickeltsten und reichsten Regionen, sowohl was die Landwirtschaft betrifft, als auch was die natürlichen Ressourcen wie Öl, Gas, und Mineralien betrifft, liegen nördlich des Hindukusch, sodass der paschtunische Gürtel von entscheidenden Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Entwicklung abgeschnitten ist. Die Bildung eines afghanischen Nationalstaates ist daher kaum möglich bevor es nicht zu einer kraftvollen wirtschaftlichen Entwicklung kommt, was in der gegenwärtigen Situation der Krise der kapitalistischen Globalisierung höchst unwahrscheinlich ist.

Interimsregierung kann Widersprüche nicht lösen

Die reaktionäre Loya Jirga, oder Große Versammlung, hat diese Beziehungen zwischen den verschiedenen Kräften nicht bedeutend verändert. Trotz des Versuchs einiger Linker, die Loya Jirga als „traditionelle Demokratie” darzustellen, ist ihr undemokratischer Charakter auf Grund des kompletten Ausschlusses der Volksmassen, die die sie vertretenden Repräsentanten niemals gewählt haben, doch offensichtlich. Vom Westen und seinen militärischen Kräften unterstützt, werden die feudalen und reaktionären Führer der verschiedenen Gruppen weiterhin über ein Abkommen zur Aufteilung der Macht verhandeln, das ihren jeweiligen Gruppen und ihnen selbst so viel Ressourcen und Einfluss wie möglich sichert.

Die entscheidende Frage dreht sich um die politische Vertretung der paschtunischen Mehrheit. Obwohl Karsai versuchte sich durch den Exkönig eine gewissen Unterstützung zu sichern, repräsentiert er im Grunde genommen nur seine eigene feudale Stammeseinheit. Obwohl die Taliban eine Niederlage erlitten haben und von der Macht verdrängt wurden, also auch eine politische Krise durchmachen, war es ihnen doch möglich, einige Truppen in Sicherheit zu bringen, und – wenn auch nur zersplittert – als politische und militärische Kraft im modernen Sinn, abseits von feudalen Stammesstrukturen und gestützt auf Teile der unteren Klassen, weiterzubestehen. Ob sie, möglicherweise in einer paschtunisch-nationalistischen Form, wieder zu einer bedeutenden Kraft werden können, hängt zum einen von der Intensität und Brutalität der Jagd des Westens auf islamische Kräfte und zum anderen davon ab, ob Karsai in der Lage dazu ist, eine paschtunische feudal-bürgerliche Kraft zu bilden, die eine gewisse Verankerung im Volk besitzt, und ihre feudal-stammesgesellschaftlichen Grenzen überwinden kann.

Nach mehr als zwanzig Jahren eines zerstörerischen und erschöpfenden Bürgerkrieges brauchen die Volksmassen eine Pause und sind daher unfähig, ihre Interessen gegen die sie jeweiligen beherrschenden feudal-bürgerlichen reaktionären Klassen zum Ausdruck zu bringen. Doch der Krieg hat die vorher bestehenden sozialen Verhältnisse vollkommen zerstört und eine große Masse von Armen geschaffen, die der Bindung an feudale Stammesstrukturen weitgehend beraubt sind. Wenn die imperialistische Intervention und Präsenz zumindest für einige Jahre eine gewissen Stabilität erzeugen kann, werden in verschiedenen Formen soziale Konflikte entstehen.

Die antiimperialistischen und kommunistischen Kräfte müssen zu aller erst all diejenigen Kräfte unterstützen, die gegen die militärische Anwesenheit des Imperialismus und dessen Marionettenregime in Kabul Widerstand leisten. Sie müssen die Loya Jirga ablehnen, und eine konstituierende Versammlung fordern, die auf allgemeinen Wahlen und einer Landreform basiert, die die armen und landlosen Bauern (inklusive der zurückkehrenden Flüchtlinge) mit Land versorgt, das ihnen die notwendigste Lebensgrundlage bietet. Sie müssen die Einheit der verschiedenen Gemeinschaften gegen den Imperialismus, die Übergangsregierung und die jeweiligen reaktionären Anführer fordern, aber gleichzeitig die Autonomierechte respektieren und verteidigen – eine Autonomie, die, auf Grund der Vermischung der nationalen, religiösen und ethnischen Gruppen, nur teilweise als eine territoriale gefasst werden kann.

Der paschtunische Nationalismus könnte, als Instrument zum Sturz des Militärregimes in Pakistan und überhaupt um die reaktionäre Teilung Indiens zu überwinden, noch von großer Bedeutung sein. Ein vereinigtes Paschtunistan im Rahmen einer demokratischen Föderation auf dem indischen Subkontinent könnte, einerseits durch einen anhaltenden Ausschluss der paschtunischen Mehrheit von der Interimsregierung in Afghanistan und andererseits durch eine Verschärfung der Krise Pakistans, eine wichtige antiimperialistische Forderung werden. Gleichzeitig lehnen wir den chauvinistischen Aspekt des paschtunischen Nationalismus gegen nationale und religiöse Minderheiten ab, und treten für deren Recht auf Selbstbestimmung ein.


Karten im Großen Spiel neu verteilt

Weder ist das Interesse des US-Imperialismus an Afghanistan in erster Linie ein ökonomisches, noch verhielt es sich beim britischen Imperialismus so. Die Bedeutung Afghanistans ist durch seine geostrategische Lage, in der soeben neu eröffneten nächsten Runde des Großen Spiels, begründet. Obwohl die Intervention des Imperialismus, seine Präsenz und sein Druck, gegenwärtig die einzige Garantie ist, um das instabile und zerbrechliche Gleichgewicht der Kräfte aufrechtzuerhalten, somit eine neue Runde im Bürgerkrieg zu verhindern, und die oberflächliche Stabilität zu bewahren, hat der Krieg in letzter Instanz die Rivalen der USA, Russland und den Iran, gestärkt, und den Einfluss Pakistans geschwächt. Mit dem Angriff auf die islamische Bewegung haben die USA nicht nur Pakistans Strategie gegenüber Afghanistan, Kaschmir und Indien zunichte gemacht, sondern Pakistan in den Grundfesten seiner Existenz erschüttert. Die USA sind drauf und dran, einen machtvollen Langzeitverbündeten in der Region entscheidend zu degradieren, oder sogar ganz zu verlieren.

Andererseits haben es die USA geschafft, in den meisten zentralasiatischen Republiken Militärbasen zu errichten. Mit Usbekistan, der bei weitem wichtigsten unter ihnen, scheint es sogar eine strategische Kooperation zu geben. Doch trotz der Bedeutung dieser Bündnisse ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Putin hat sich offensichtlich auf eine Linie der Anpassung an den Imperialismus eingelassen. Doch es ist allgemein bekannt, dass Russland aus vielen Gründen immer noch ein strategischer Gegner ist. Ein Wechsel des Regimes, der durchaus möglich ist, könnte die Konfrontation mit dem Westen wieder auf die Tagesordnung setzen. Und alle zentralasiatischen Staaten bleiben in vielerlei Hinsicht von Russland abhängig.


Vom permanenten US-Terrorkrieg zum antiimperialistischen Befreiungskrieg

Mit dem Angriff auf Afghanistan und dem andauerndem Krieg gegen die islamische Bewegung haben die USA in keinster Weise einen strategischen Sieg errungen. Sie haben nur eine neue Runde im Großen Spiel entzündet und Öl ins Feuer gegossen. Die Widersprüche in der Region, wie auch in Afghanistan selbst, haben sich nur verschärft, und werden explodieren, sobald sich der erste ernsthafte Bruch in der US-geführten monopolaren Weltordnung zeigt. Was die islamische Bewegung betrifft, die als Hauptfeind ausgewählt wurde, um den „Krieg gegen den Terrorismus” zu legitimieren, so hat der Rückschlag in Afghanistan nur zu einer weiteren Radikalisierung geführt. Da die islamischen Massen nicht nur in ihrer Gesamtheit zum Ziel eines neuen Kreuzzuges erklärt wurden, sondern auch den seit Jahrzehnten wachsenden Druck der imperialistischen Angriffe spüren, ist ihre Opposition, ihre Bereitschaft Widerstand zu leisten und zu kämpfen, zweifellos im Wachsen. Die Zukunft der islamischen Bewegung hängt davon ab, ob sie in der Lage sein wird, die entscheidende Bedeutung der sozialen Interessen der armen Klassen für die große antiimperialistische Schlacht, die sich am Horizont bereits abzeichnet, zu erkennen. Es gibt starke Anzeichen dafür, dass zumindest ein Teil von ihr ihre Lektion aus dem Krieg in Afghanistan gelernt hat, und sieht, dass nicht die pro-imperialistischen Regimes in der Region sondern nur die ausgebeuteten und unterdrückten Massen mögliche Verbündete sind. Auf jeden Fall haben die USA die Widersprüche mit der islamischen Welt und innerhalb dieser verschärft, ohne der Bewegung eine entscheidende Niederlage beigebracht zu haben.
Die logische Konsequenz dieses Anwachsens der Widersprüche ist die Ausrufung eines ständigen Krieges gegen jeden Ansatz von Widerstand und Rebellion, um ihre absolute Vorherrschaft aufrechtzuerhalten. Doch das wird auf lange Sicht die Widersprüche, und somit den Widerstand, nur noch weiter vertiefen. Bereits ein einziger Sieg kann zu einer Rebellion gegen die US-Weltordnung führen. In jedem Fall steuern auf eine große Konfrontation zu.

Internationale Leninistische Strömung Juni 2002


Die Resolution wurde von der Redaktion gekürzt und leicht bearbeitet.
(1) Der Ausdruck „Das große Spiel” stammt ursprünglich vom britischen Schriftsteller Rudyard Kipling, mit dem er das Wettrennen zwischen dem britischen Empire und dem zaristischen Russland um Einfluss in Afghanistan zu Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb.