Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung

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Die Zeitschrift Bruchlinien hat eine Phase der Abwesenheit durchlebt. Nun erscheint sie wieder in neuer Form unter dem Titel "Intifada - Zeitschrift für den antiimperialistischen Widerstand". Der Online-Auftritt bleibt jedoch weiter bestehen.

Podiumsdiskussion: Was war die Sowjetunion?

 

 Ausgaben

Nr. 21 Herbst 2007
Nr. 20 Frühjahr 2007
Nr. 19 November 2006
Nr. 18 Mai 2006
Nr. 17 Februar 2006
Nr. 16 November 2005
Nr. 15 Juni 2005
Nr. 14 April 2005
Nr. 13 November 2004
Nr. 12 September 2004
Nr. 11 Mai 2004
Nr. 10 Jänner 2004
Nr. 9 November 2003
Nr. 8 September 2003
Nr. 7 Mai 2003
Nr. 6 März 2003
Nr. 5 Jänner 2003
Nr. 4 November 2002
Nr. 3 September 2002
Nr. 2 Juli 2002
Nr. 1 Mai 2002

 

 Rezensionen

Filmkritik zu Snyders Verfilmung der Comicvorlage






Nr. 1 Mai 2002

Ein Versuch, Antworten durch gemeinsame Praxis zu finden

Internationales Antiimperialistisches Sommerlager, Assisi, Italien, 3.–10. August 2002


„... und da wir uns nicht einschüchtern lassen dürfen, werden wir auch dieses Jahr diese Bewegungen (die die USA als terroristisch betrachten) auf unser Sommerlager ein­laden, damit alle ihre Stimme hören und die Wahrheit über sie erfahren können.“

Gegen den antiterroristischen Feldzug und in Solidarität mit allen revolutionären und antiimperialistischen Bewegungen ruft die Antiimperialistisch Koordination neuerlich zu einem internationalen Sommerlager auf. Wurde es letztes Jahr noch von den tragischen Ereignissen von Genua überschattet, so steht es heuer ganz im Zeichen des Widerstands gegen den von Bush und seinen Verbündeten, allen voran Großbritannien, propagierten „Krieg gegen den Terrorismus“, zu dem in gewisser Weise auch die jüngste Eskalation in Palästina gehört. Neben dem brutalen Versuch, den palästinensischen Widerstand gegen die israelische Besatzung auszuradieren, stehen auch wieder Kriegsdrohungen gegen den ohnehin schon ausgebluteten Irak auf der Tagesordnung. Der arabische Raum hat also nichts an Sprengkraft für die Neue Weltordnung verloren, was sich auch in dem großen Augenmerk, das die Organisatoren des Treffens auf ihn legen, widerspiegelt.
Aber auch die Situation im Westen verliert man nicht aus den Augen. „Mit dem antiterroristischen Krieg beschleunigt sich die seit Jahren laufende Aushöhlung der demokratischen Rechte in Europa und den Vereinigten Staaten selbst rasant“, so das Vorbereitungskomitee des Antiimperialistischen Sommer­lagers. Die Organisatoren des Lagers schreiben dazu in ihrem Aufruf mit dem Titel „Hände weg von der Welt!“: „Mit dem Ziel, alle ablehnenden Stimmen zu ersticken, hat Bush nicht gezögert, sich diktatorische Vollmachten zu übertragen. Wer es in den USA wagt, die unterdrückten Völker zu unterstützen, wird wegen des Verdachts auf Terrorismus untersucht, als Spion des Feindes verfolgt und schließlich verhaftet. Die mit den USA verbündeten Länder, unter ihnen Europa, setzen dieses Theorem mit Eifer um, indem sie repressive Gesetzgebungen verabschieden, welche die Bürger in Unterworfene ohne Stimme verwandeln, und die Demokratie in Oligarchie.“ Zu dieser Thematik finden sich im vorläufigen Programm zahlreiche Vorträge, die nicht nur die allgemeine Situation in den USA und Europa, sondern auch speziell auf die Auswirkungen für die nach dem 11. September als „Terroristen“ gebrandmarkten Menschen islamischen Glaubens eingehen. Dazu sollen Juristen aus Italien und Deutschland sowie Vertreter des International Action Center aus den USA eingeladen werden.
Neben dieser Thematik ist auch die Frage der Rechtmäßigkeit der sogenannten Internationalen Justiz aufgegriffen, wobei hier als Programmpunkt unter anderen die Aufdeckung der Rolle des spanischen Richters Baltasar Garzón durch baskische Menschen­rechtsanwälte feststeht. „Garzón ist in der Zivilgesellschaft als führender Verfechter einer Anklage gegen lateinamerikanische Ex-Diktatoren beliebt, während er gleichzeitig eine ‚antiterroristische Hexenjagd’ gegen die baskische Un­ab­hängigkeitsbewegung führt“, so die Antiimperialistische Koordination. In diesem thematischen Schwerpunkt wird auch der illegitime Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem Tribunal von Den Haag behandelt.
Die wichtige Diskussion zur Entwicklung der Antiglobalisierungsbewegung findet ebenfalls einen prominenten Platz in dem dichten Programm. „Nach Porto Alegre stehe fest“, so einer der Organisatoren, „dass diese Bewegung an einem Punkt angekommen ist, an dem sie sich nicht mehr fähig zeigt, auf die weltpolitische Entwicklung progressiv zu antworten. Sie schließen die stärksten Stimmen einer progressiven Veränderung auf dieser Welt, wie die baskische Bewegung und die FARC aus Kolumbien, aus und laden stattdessen den Richter Garzon nach Porto Alegre ein; wir glauben nicht, dass die Bewegung als ganze dieser Richtung zustimmen kann und wird.“
So heißt es denn auch im Aufruf zum Antiimperialistischen Sommerlager: „Die USA stellen fest, dass ‚wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns’ und zwingen jeden Einzelnen zur Wahl: entweder auf der Seite des imperialen Despotismus oder auf der anderen. Einen Mittelweg gibt es nicht. Wer sich auf die Seite der Diktatur stellt, kann sich darauf beschränken, die Augen zu verschließen, vorzugeben, die Schmerzensschreie aus allen Teilen der Welt nicht zu hören. Wer es hingegen als unmoralisch ansieht, das Schicksal der Menschheit in Händen des Doktor Seltsam zu belassen, muss den Mut aufbringen, den Befreiungskampf der unterdrückten Völker zu unterstützen, was auch immer deren Methoden, bewaffnete oder gewaltfreie, seien.“
Neben diesen Schwerpunkten gibt es Veranstaltungen zu der Lage in Asien, der besonderen Rolle Indiens, zur Entwicklung auf dem lateinamerikanischen Kontinent, der ja im vergangenen Jahr nicht nur die Argentinien-Krise, sondern auch den Abbruch der Friedensverhandlungen in Kolumbien zwischen den FARC und der Regierung gesehen hat, sowie einen umfassenden Themenblock zur Palästina-Frage, wo neben Diskussion auch bereits konkrete Vorschläge für eine europaweite Koordination der Solidaritätsbewegungen zur Debatte stehen sollen. Prominente Gäste wie Hebe de Bonafini von den Müttern der Verschwundenen der Plaza de Mayo oder die palästinensische Kämpferin Leila Khaled haben bereits ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet.
Das Antiimperialistische Sommerlager 2002 soll ein breites internationales Treffen werden, das dem im Aufruf zum Ausdruck kommenden politischen Geist folgt: „Der Kampf ist der selbe, überall geht es um Freiheit, Demokratie, die Möglichkeit einer Zukunft in Brüderlichkeit und sozialer Gerechtigkeit. Niemals noch war es so wichtig wie heute die alten Gräben zu überbrücken, die antiimperialistischen Kräfte und die Arbeiterorganisationen und die kämpfenden Bewegungen des Welt Sozial Forums zu vereinigen. Nicht um die Globalisierung zu „demokratisieren“, sondern um dem Imperialismus ein Ende zu bereiten. Eine andere Welt ist möglich. Dem Kapitalismus ein menschliches Gesicht zu geben, nicht!“

Doris Arztgruber
Aufruf, vorläufiges Programm und aktuelle Informationen zum Antiimperialistischen Sommerlager: www.antiimperialista.org/de